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Athen: Bekennerschreiben zu den Brandanschlägen der Revolutionary Groups of Terror Dispersion (CCF/FAI-IRF)

Wölfe können nicht eingesperrt werden; sie können nicht gezähmt werden

Der folgende Textausschnitt ist den anarchistischen Revolutionären Yannis Michailidis und Dimitris Politis gewidmet, die von den Behörden aufgrund ihrer mutmaßlichen Beteiligung in der anarchistischen revolutionären Organisation CCF gesucht werden und sich niemals ergeben werden! Unsere Feuer sollen ihnen Stärke geben und unsere Asche die Spuren unserer Brüder verwischen.

“Wenn ich mich umsehe, wird mir schlecht. Auf der einen Seite die Wissenschaftler, denen ich Glauben schenken soll, damit ich nicht ignorant bin. Auf der anderen Seite die Moralisten und Philosophen, deren Vorschriften ich akzeptieren soll, damit ich nicht brutal bin. Dann kommt das Genie, das ich glorifizieren soll und der Held, vor dem ich mich zu verbeugen habe.

Dann kommen die Genossen und Freunde, die Idealisten und Materialisten, die Atheisten und Gläubigen und eine riesige Horde von definierten und undefinierten Affen, die mir ihre guten Ratschläge unterbreiten und mich schließlich auf den rechten Weg bringen wollen. Weil der Weg, den ich gehe, (natürlich) falsch ist, genauso wie meine Ideen, meine Gedanken, mein gesamtes Dasein falsch sind.

Ich bin ein falscher Mensch. Sie – arme Verrückte – sind besessen von der Idee, dass das Leben sie zu Priestern berufen hat und sie eine Zeremonie ihrer größten Missionen leiten, wenn sie Menschlichkeit als ihre größte Bestimmung bezeichnen…

Diese armen, pathetischen Bestien – vernarbt durch Scheinideale und verklärt durch Aberwitz  – können nie die tragischen und heiteren Wunder des Lebens verstehen, da sie nie sehen, dass sich Menschlichkeit nicht auf irgendein großartiges Schicksal beruft. Wenn sie irgendetwas davon verständen, würden sie zumindest gelernt haben, dass ihre sogenannten Neigungen in der Tat kaum das Verlangen besitzen, das eigene Rückgrat zu brechen, indem sie Abgründe überbrücken, die einen vom anderen trennt.

Aber was ich bin, ist egal.

Und das Krächzen dieser verschiedenfarbigen Elstern dient nur dem Zweck, die persönliche und edle Weisheit zu erhellen. Oh, apostolische Affen der Menschheit und des gesellschaftlichen Fortschritts, hört Ihr nicht etwas donnern über euren Phantomen?

Hört, hört! Es ist ein durchdringendes Dröhnen meines wilden Gelächters, das überkopf in die Höhe poltert!

[Renzo Novatore, unter dem Pseudonym Brunetta, der Brandstifter]

Zuallererst sollten wir klar machen, dass es nicht das Ziel dieser Analyse ist, eine Theorie zu formulieren. Stattdessen ist sie verfasst als ein Mittel zur Verbreitung eines revolutionären Verständnisses und zielt grundlegend auf die praktische Etablierung (-Ermächtigung) von kollektivem Widerstand gegen jede Autorität, auf die gleiche Weise, wie die Macht persönliche Beziehungen schwächt und den Alltag dekontextualisiert, ab.

Unter den historischen Umständen befindet sich der Kapitalismus selbst in Turbulenzen und das innere Gleichgewicht in einer Fluktuation wieder. Die Mechanismen, die dem System inneliegen, um seine Reproduktion und das innere Gegengewicht zu sichern, operieren nun viel intensiver. Daher verpflichten sich die Staaten – als grundlegende Mechanismen zur Sicherung des Totalitarismus – für alle Mittel der praktischen und indirekten Durchsetzung, die ihnen zur Verfügung sthene, Sorge zu tragen.

Wie erwartet sehen sich mehr und mehr gesellschaftliche Gruppen mit der abscheulichen Seite der Macht innerhalb dieses Zustands konfrontiert. Das heißt jedoch nicht, dass Individuen ihre Erfahrungen auf die gleiche Art und Weise verarbeiten. Bislang sind es wenige, die die wahre unmenschliche Natur des Kapitalismus – und seiner bösartigen Seele – realisiert haben. Noch geringer ist die Anzahl jener, die den Mut besitzen, sich selbst in der Praxis – obgleich kurz – von dem erstickenden System der Macht zu befreien. Aus diesem Grund ist es absurd zu glauben, dass ein Wandel in dieser Welt, eine Weltrevolution, nur so möglich ist. Nichtsdestotrotz existiert der Krieg gegen alle Autoritäten und wird solange andauern bis der letzte Mensch sich nicht mehr eingeschränkt fühlt und aus seinem/ihrem Knast entflohen ist.

Wir legen unseren eigenen Kurs durch das chaotische autoritäre Geflecht fest, das sich auf die Gesellschaft erstreckt. Das Ziel ist es, die Vorstellung der Einschränkung, die wir in jedem alltäglichen Umstand feststellen können, praktisch zu beseitigen. Um das zu erreichen, wählen wir Aktionen als das drastischste Mittel der sozialen Ethik. Das städtische Recht ist dasselbe wie das Recht des Dschungels. Nach ungefähr 4000 Jahren der zivilisatorischen Evolution haben es die Menschen – selbst in Gedanken – nicht geschaft, das widerspenstige Spiel der Macht des Stärkeren zu überwinden. Wir greifen daher dessen Existenz mit Wut an, nicht um einen Kampf zu gewinnen, der Überlegenheit beweisen soll, sondern jene Existenz vollkommen einzureißen. Wir verkünden durch jede unserer Aktionen den Krieg an alles, das die verdammte Macht verstärkt oder repräsentiert, indem wir danach streben, unser Begehren auf diesem Weg zu finden. Weil wir verstehen, dass es keinen anderen Weg außer den unaufhörlichen Kamp inner- und außerhalb der eigenen Grenzen gibt, um sich die Freiheit zurückzunehmen.

Wo du stehst, grabe tief hinein!
Drunten ist die Quelle!
Lass die dunklen Männer schrein!
“Stets ist drunten – Hölle!”
[Friedrich Nietzsche]

In der Nacht des 12. Mai entschieden wir uns, gegen ein Fahrzeug der Hellenic Post (ELTA), das auf dem Cyprou Platz im Bezirk Holargos geparkt war, mit einem einfachen Brandsatz, der aus 1,5 Litern Benzin bestand, vorzugehen. Außerdem griffen wir die Kirche Aghios Ioannis an der Kreuzung  N.Dimitrakopoulou Str. und Petmeza Str. in der Makrygianni-Nachbarschaft (in der Nähe des Filopappou-Hügels) mit einem 3,5 Liter-Brandsatz an. Das ELTA-Fahrzeug wurde vollkommen zerstört, während das Haus Gottes beträchtlichen Schaden davonträgt. Diese Aktionen wurden von den Massenmedien verschwiegen. Dass sie begangen wurden, daran kann aufgrund der Asche, die wir an den Orten hinterließen, kein Zweifel bestehen. Immer wenn wir diese Art von Aktionen ausführen oder andere Gesetze brechen, immer wenn wir gegen die gesellschaftlichen Imperative rebellieren, die vorherrschenden Grenzen zwischen uns auflösen, um ehrliche Beziehungen zu erschaffen, sind wir glücklich, weil wir ausbrechen. Worauf es am meisten ankommt, ist die natürliche Beständigkeit in unseren Aktionen. Wir nehmen weiterhin an, dass es ein Bedürfnis gibt, unsere revolutionäre Aktionen öffentlich zu erklären, aber auch unseren Lebensweg, unsere Praktiken und unser Wertesystem, das wir uns selbst geschaffen haben und das uns “diktiert”, dass wir diesen persönlichen Weg zur Selbstrealisierung folgen; hin zum höchten Level des Bewusstseins des menschlichen Potentials.

Dialektik ist eine Quelle des Wissens. Ein Mensch kann die Verdammtheit der Existenz durch das Infragestellen realisieren. Um diese Dialektik jedoch zu verkörpern und sie in eine nützliche Waffe gegen den den Feind zu verwandeln, sind würdevolle, tapfere und kampfeslustige Menschen nötig, die alle gut geplante Ziele haben. Die revolutionäre Gewalt, die von diesen Menschen ausgeübt wird, kann unter den gegebenen Umständen als das direkteste und effektivste Unterfangen angesehen werden. Dies ist so, weil nach unserer Meinung die “verrückten” politischen Positionen nicht bloß eine Schlichtung mit dem Feind darstellen, sondern ein Krieg, in dem – anstatt dass dich mit deinen Feinden zu unterhalten – du mit deinem Messer zustichst.

Letztendlich wollen wir, dass sich die Situationen verschlimmern. Wir wollen mit den Mächten der Welt konfrontiert werden. Wir sind uns über die Macht unserer Feinde bewusst und wir erwarten nicht, dass sie Barmherzigkeit zeigen oder uns mit Verständnis begegnen. Wir wollen, dass jedeR einzelne von ihnen ein Feind bleibt, einE offensichtleR VerfolgerIn. Was unsere Aktion angeht, so ermöglicht unsere öffentliche Stellungnahme allen, klare Gründe für jede unserer Aktionen zu finden, die wir umgesetzt haben – wenn er/sie es wünscht. Wir streben nicht danach, Koalitionen oder Bündnisse mit irgendeiner würdelosen Person zu schmieden, die seine/ihre persönliche Impulse verneint. Wir machen auch keine Kompromisse oder verschwenden unsere Leben als elende Wesen. Wir wollen, dass uns die InhaberInnen des Reichtums Diebe nennen, während sie sich vor Angst in ihre Hosen pissen.

Innerhalb und außerhalb der (Knast)Mauern gibt es Solidarität unter AnarchistInnen der Praxis. Sie bezieht sich auf die gemeinsame Intention unserer Akte: sich auf die Zuspitzung unserer Ideen mit flammenden Schritten zuzubewegen. Demzufolge ist dieses Communiqué besonders Rami Syrianos gewidmet, der einen erfolgreichen Hungerstreik vom 15.-21. Mai 2012 durchgeführt hat, in dem er die Beseitigung der Sonderbehandlung gefordert hat, die ihm durch Leibwachen in der JVA Nigrita in Serres auferlegt wurde, und auch allen würdevollen Gefangenen.

Haltet weiterhin durch, GenossInnen, immer zu euren Werten stehend. Wir werden euch mit viel ausstehenden Explosionen beschenken.

KONSPIRATIONALITÄT – WÜRDE – GENOSSENSCHAFT
Lang lebe die Verschwörung der Feuerzellen (CCF)
Lang lebe die Schwarze Internationale (Black International)

PS: Wir müssen unsere verhafteten Mitglieder der CCF wissen lassen, dass wir in früheren Zeiten die Unauffälligkeit wählten, weil wir auf der Suche nach Techniken und Infrastrukturen waren. Wir bleiben für immer beständig in unseren Entscheidungen und auf der Suche nach neuen Komplizen.

PSS: Was Roberto Adinolfi angeht, Chef des Atomenergiekonzerns Ansaldo Nucleare, eine Tochtergesellschaft von Finmeccanica – ein Koloss in der Weltraum- und Verteidigungsindustrie-, wünschen wir ihm nette Ausflüge im Rollstuhl und Spaziergänge in Krücken. Er wird genung Zeit haben, die Ergebnisse seine Entscheidungen zu bedenken.

Olga Cell, wir danken dir!

FAI/IRF
CONSPIRACY OF CELLS OF FIRE
REVOLUTIONARY GROUPS OF TERROR DISPERSION
Griechisches Original / Italienische Übersetzung

Anmerkung: Der Name Επαναστατικές Ομάδες Διασποράς Τρόμου, Organisation der zweiten Phase der CCF, wurde oft auch als  “Revolutionary Groups for the Spread(ing) of Terror” auf Englisch übersetzt.

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