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4. Teil eines Interviews mit der anarchistischen Gefährtin Sofi über die Repression und Solidarität in Mexiko

 Das Interview wurde von auf It’s going down auf Spanisch mit der anarchistischen Gefährtin Sofi aus Mexiko über die anarchistische Organisierung und Solidarität innerhalb und außerhalb mexikanischer Gefängnisse geführt. Die GefährtInnen von It’s going down haben inzwischen eine englischsprachige Transkription auf ihrer Seite publiziert, über die Contrainfo informiert wurde. Die deutschsprachige Übersetzung des recht langen Interviews wird in mehreren Teilen erscheinen.

Wir haben noch einen anderen Fernando, Fernando Sotelo Zambrano. Er wurde am 5. November 2014, während solidarischer Aktionen zum Fall Ayotzinapa und den Verschwundenen, verhaftet. Und ohne Beweise oder oder Irgendetwas wurde unser Gefährte zu 33 Jahren Gefängnis verurteilt. (Nach diesem Interview, wurde die Strafe von Sotelo auf 13 Jahre reduziert.) Der einzig Beweis ist, dass ihn ein Bulle gesehen hat. Aber in seiner ersten Aussage, gab er an: Ich glaube, dass ich ihn erkenne.“, in seiner zweiten, „Gut, ich glaube ihn deutlicher zu erkennen“. Und in der dritten: „Ja, er war‘s“ Aber in Wirklichkeit reden wir über die Aussagen von jemandem, der noch nicht einmal sicher ist, ober er ihn gesehen hat. So verhafteten sie unseren Gefährten. 33 Jahre und 5 Monate im Gefängnis, eine Geldstrafe von 519,815 Pesos, was ungefähr $25,000 USD sind und Bezahlung für Schäden von 9 Millionen Pesos, was ungefähr $400,000 USD sind. Eine Summe, die wir niemals bezahlen können, aber das ist nicht alles.

Warum die Geldstrafe? Weil ein Mexico – City Linienbus, der Metrobus in Brand gesetzt wurde. Dieses Verkehrsmittel ist „öffentlich“ aber in Wahrheit wurde die Konzession einer privaten Firma überlassen, so dass die Strafe nicht einmal an Mexiko-City geht, sondern an eine private Firma. Der Bus wurde abgebrannt, der Gefährte wurde festgenommen und die Geldstrafe und alles gilt für die Zerstörung des Metrobusses. Und die Eigentümer*in des Metrobusses sagte: Nein, diese Strafe ist zu niedrig“ und sie gingen in Berufung und wollten, das er eine höhere Strafe erhält. So läuft bis jetzt die Berufung. Wir sehen dieses als ein Teil der Politik, über die wir am Anfang gesprochen haben, d.h. wie AnarchistInnen, die in dem Kampf involviert sind, das Leben schwer gemacht wird.

Fernando Sotelo ist Teil der Anderen Kampagne, die eine zapatistische Bewegung ist. Er ist auch Teil des Ollin Meztli Studierendenkollektivs. Er stürzt sich immer in die Arbeit, er partizipiert im Zapatismus, im Guevara Auditorium. Er ist politisch aktiv, jung. Das ist auch wichtig, zu erwähnen, der permanente Angriff auf die Jugend.

Abraham Cortés Ávila

Der andere Fall ist Abraham Cortés Ávila, ein Jugendlicher aus der Stadt Oaxaca, der am 2. Oktober 2013 während eines Marsches in Mexico – City verhaftet wurde. Die Demonstration erinnerte an das Massaker an tausenden Student*innen am 2. Oktober 1968 in Mexiko-City. Jedes Jahr gibt es einen Marsch, der den studentischen Kampf in der Stadt emporhebt. Abraham plante nicht aus diesem Grund auf den Marsch zu gehen. Er ist ein Kunsthandwerker und er wollte in der Stadt ein paar Dinge für seine Arbeit kaufen. Er sah den Marsch uns sagte sich „Natürlich werde ich teilnehmen, weik es wichtig ist.

Er hat sich den Marsch angeschlossen und als er mit den Gefährt*innen und an einer bestimmten Stelle war, griff die Polizei die Mobilisierung an. Als die Polizei auf Abraham zukam, hat er sich zuerst einmal eine Plastikwasserflasche geschnappt und sie instinktiv auf die Polizei geworfen und ist dann gerannt. Der Beweis gegen Abraham ist ein von Televisa (eine großes Medienunternehmen in Mexiko-City) redaktionell aufgearbeitetes Bild. Es zeigt Abraham, wie er die Wasserflasche wirft, den nächsten Teil haben sie weggeschnitten, und die nächsten Bilder sind, wie ein Molotow-Cocktail auf einen Bullen landet und ihn in Brand setzt. Obwohl es offensichtlich ist, dass Abraham eine Wasserflasche schmeißt und der nächste Ausschnitt einen Molotow-Cocktail zeigt, der einen Bullen verbrennt. Das ist der Beweis.

Als erstes wurde er zu mehr als 12 Jahren verurteilt, aber nach einem Berufungsverfahren wurde seine Strafe auf mehr als sechs Jahre reduziert, wegen des Versuches einen Bullen zu töten, was nicht wahr ist. Er ist auch Teil des Cimarrón Kollektivs. Er gibt Workshops über Kunsthandwerk, Zeichnen und er boxt.

Das sind unsere anarchistischen Gefährten, die aktuell Gefangene sind, inhaftiert in Mexiko-City und Oaxaca. In Mexiko gibt es mehr als 500 politische Gefangene. Oft sind ihre Namen nicht bekannt. Wir wissen in etwa, wer sie sind. Aber alle sind drinnen, weil sie für das Leben kämpfen und ihre natürlichen Ressourcen. Im wesentlichen, weil sie ums Überleben kämpfen, für ein würdiges, bedeutendes Leben im Kampf. Natürlich rufen wir für Freiheit für alle unsere Gefährten auf. Wir sind Abolitionist*innen. Aber unser Arbeit ist auf Anarchist*innen fokussiert. Nicht weil die anderen nicht wichtig wären, sondern weil unsere Arbeit im Gefängnis für unsere anarchistischen Gefährt*innen ist, weil wir Anarchist*innen sind.

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