Das Netzwerk der KKE: Lügen und ihre Verbreitung

Es ist nicht nur die Korrespondentin der Jungen Welt Heike Schrader, die sich am 19./20. Oktober gegen die vielen Demonstrierenden gestellt hat, die sich nicht von einer stalinistischen Partei die Form ihres Protests diktieren lassen wollen. Auf die junge Welt und ihre Art und Weise der Berichterstattung wurde bereits eingegangen und hoffentlich Lehren gezogen. Dieser Text ist als Ergänzung zu verstehen.

Vor allem die Deutsche Kommunistische Partei DKP übernimmt die Lügen der Kommunistischen Partei Griechenlands. Kontakt zu den griechischen StalinistInnen besteht seit vielen Jahren. Hierunter fallen z.B. Einladungen zu Parteittagen, gegenseitige Besuche von Konferenzen, Veröffentlichung gegenseitiger Grußworte, Solidaritätschreiben und allgemein die Publikation von Texten. Das Verhältnis wird auch nicht dadurch getrübt, dass die DKP in der Vergangenheit eine Kritik an der offiziellen  Rehabilitation Stalins (2009) durch ihre griechischen GenossInnen geäußert hat und im Gegensatz zur KKE von Verbrechen Stalins spricht.
Quelle: http://xxxkommunisten.de/index.php?option=com_content&view=article&id=3089:eine-kritk-an-den-kke-thesen-ueber-den-sozialismus&catid=77:analysen&Itemid=154 (Link funktioniert nur ohne xxx)

So verwundert es nicht, dass die DKP recht zeitnah zum Geschehen in Athen eine offizielle, kader-gehorsame Presserklärung abgeliefert hat. www.xxxkommunisten.eu/attachments/3090_Erklärung_Griechenland.pdf

Die obskuren Thesen der KKE werden weitgehend übernommen, den eigenen Verhältnissen etwas angepasst und teilweise vage formuliert. Hierdurch gewinnen sie scheinbar an Glaubwürdigkeit. So wird sich z.B. auf die eher im deutschsprachigen Raum bekannten Autonomen besonnen und nicht explizit gesagt, dass es sich bei diesen auf jeden Fall um Polizeispitzel handeln muss, sondern auf angebliche Erfahrungen aus der Vergangenheit verwiesen.

Zusammengefasst geht die DKP in ihrer Stellungnahme davon aus, dass:

– die  KKE und PAME, wie andere linke Organisationen eine wesentliche Rolle bei den Protesten spielen.
– friedliche DemonstrantInnen vor das Parlament zogen
– diese plötzlich von 500  sogenannten Autonomen angegriffen wurden.
– bei vorangegangenen Demonstrationen sogenannte „Autonome“ als Polizeiprovokateure eingeschleust wurden und die Polizei tatenlos zugesehen hat, wie sich diese Leute mit Steinen und Prügel bewaffneten.

Um diese Behauptungen seriös zu belegen werden auf dem Nachrichtenportal „Kommunisten“ der DKP dann „Der Spiegel Online“ und “Süddeutsche Zeitung”  als Quellen herangezogen, Massenmedien, die dieses mal (nicht vollkommen unerwartet) ganz im Sinne der eigenen Parteilinie berichten.  Da braucht sich die DKP dann keine Gedanken zu machen, ob es in Wahrheit anstatt „der Massen von Protestierenden“ nicht doch nur die Freunde der  KKE / PAME waren, die sich vor dem Parlament aufhielten und  „unter den Augen der Polizei“ sich männliche Mitglieder der stalinistischen Partei mit Knüppeln bewaffneten und Helme trugen und mit den Rücken zur Polizei aufreihten.  Auch keine Rolle spielt in der Parteipropaganda die Tatsache, dass die stalinistische Partei gewalttätig versucht hat die Masse von DemonstrantInnen vom Protest direkt vor dem Parlament abzuhalten, was ihr auch letztendlich mit Hilfe der Polizei erfolgreich gelang.

Die Online Plattform „Kommunisten aus der Schweiz“ www.xxxkommunisten.ch beklagt sich auf ihrer Seite bitter darüber, dass Indymedia gegen die „organisierte Arbeiterklasse Griechenlands“ hetzen würde. Sie bezieht sich auf einen „am 20. Oktober auf Indymedia Schweiz“ erschienenen,  „gegen den Kampf der organisierten Arbeiterklasse Griechenlands gerichtetem Artikel – unter dem bezeichnenden Titel: «Stalinisten – Die letzten Büttel der herrschenden Klasse?

Dieser Beitrag, den irgendwer Unbekanntes auf die offene Plattform gestellt hat, beinhaltet folgenden Satz:

 «Nachdem es zwischen Demonstranten und PAME/KKE-Stalinisten zu kleinen Rangeleien kam, als die Demonstranten versuchten auf das Parlament loszugehen und die KKE-Ordner die Leute zurückhielten, z.T. verprügelten und schliesslich den Bullen übergaben, sind nun schwere Auseinandersetzungen zwischen Antiautoritären und Stalinisten ausgebrochen.»

Als kleine Anekdote bleibt zu erwähnen, dass es sich bei diesem angeblichen Artikel um einen Auszug unseres auf Contrainfo veröffentlichten Tickers zum 48-stündigen Generalstreik handelt und diese Quelle auch auf Indymedia Schweiz genannt wird.  Contrainfo beklagt sich übrigens nicht, dass die “Open Posting” Funktion der deutschsprachigen Indymedias auch vom KKE Netzwerk beherrscht und genutzt wird und echauffieren uns auch nicht darüber, dass Indymedia die Stalinisten verteidige.  Indymedia ist bei uns weder der AnarchistInnen, Libertären bzw. Antiautoritären Bewegung zuzuordnen, noch Sprachrohr von StalinistInnen. In “Griechenland” ist das komplett anders, dort hat die stalinistische KKE tatsächlich keine Plattform.

Im weiteren Verlauf spricht der Text dann von einigen Hundertschaften Anarchofaschisten, die einen „mörderischen Überfall auf eine Demonstration der  Klassengewerkschaft PAME ausgeübt hätten. Ein Genosse der Bauarbeiter wurde dabei getötet, etwa 80 Gewerkschafter zum Teil ernsthaft verletzt. “

Das Wort „Anarchofaschisten“ entstammt u.a. den Sprachgebrauch der KKE und ist seltsamerweise gängige Alternative, wenn diese Partei die AnarchistInnen, Libertäre, Antiautoritären gerade nicht einmal als Agents Provokateur bezeichnet. Es dürfte inzwischen bekannt sein, dass es eine Lüge ist, dass der Bauarbeiter bei dieser Auseinandersetzung ums Leben kam. Er ist das Opfer eines Tränengaseinsatzes der Polizei. Der Tote wird hier in beschämender Weise funktionalisiert.

Suggerierte der DKP Text noch in etwas weichgespülter Form , dass am 22.10 höchstwahrscheinlich Agents Provokateur sich eine Auseinandersetzung mit der KKE lieferten,  ist sich der Verfasser dieser Zeilen sicher, dass die “Antiautoritären” “am 20.10. „einen speziellen Tagesbefehl erhalten hatten, Ausführung eines direkten bewaffneten Angriffs auf die vor dem Parlament unter dem Banner der PAME demonstrierenden Arbeitermassen. Dabei warfen die Angreifer Steine und Molotow-Cocktails, setzten aber auch Tränengas, Schockgranaten und andere polizeiübliche Waffen gegen die Arbeiter ein.“

Fakt ist, dass dieser Satz nur in einem Punkt wahr ist, Steine werden tatsächlich von der MAT (Bereitschaftspolizei „Griechenlands“ geworfen, ob es ich dann aber um „polizeiübliche“ Waffen handelt sei dahingestellt.

Die Kommunistische Initiative übernimmt diesen Text dann einfach. http://www.xxxkommunistische-initiative.de/solidaritaet/internationale-solidaritaet/1005-indymedia-hetzt-gegen-die-organisierte-arbeiterklasse-griechenlands.html.

Auch der Blog „kritische Massen“ http://xxxkritische-massen.over-blog.de/ für den sich ein Sepp Aigner verantwortlich zeichnet, bläst ins gleiche Schamei.  Er verbreitet wieder einmal altbekannte Lügen, auf dass sie sich durch stängiges Wiederholen in Wahrheit wandeln:

Diese Gruppen sind durchsetzt mit Polizeispitzeln, Geheimdienstleuten, bezahlten Schlägern aus dem Lumpenproletariat, dem Rotlicht-Milieu und privaten “Sicherheitsdiensten”. Sie repräsentieren nicht eine “andere Linke” oder den “entschiedensten Teil der Linken“.

Im Anschluss wird, wie so oft, auf die Quelle der Glückseligkeit, eine aktuelle Stellungnahme der KKE zurückgegriffen, die die gewagten These dann unterfüttern soll. Harthmuth-Barth-Engelbart (lt. Wikipedia Eintrag: Schriftsteller, Lyriker, Musiker Liedermacher, Sänger, Grafiker, Grundschullehrer) und Kommunist hat diesen Artikel dann für wertvoll befunden und gleich mal für seinen eigenen Online Auftritt abgekupfert.

Die wirre Behauptung, dass der berüchtigte bewaffnete Ordnungsdienst einer stalinistischen Partei beim Generalstreik die gesamte Arbeiterklasse geschützt und nicht die Interessen der KKE (und Herrschenden) durchsetzte, zieht weite Kreise in den Reihen dieser autoritären KommunistInnen.  Sie sind überzeugt, dass die KKE einerseits eine revolutionäre Kraft in Griechenland ist, treten aber gleichzeitig auf die Bremse, weil die Zeit noch nicht reif sein soll für eine revolutionäre Veränderung.

„Die Kommunisten und die von ihnen beeinflussten Massenorganisationen tun alles, um das zu ändern, und sie sind dabei erfolgreich. Aber noch sind die Bedingungen für einen “Bruch mit dem System”, für eine Revolution nicht gegeben.(…)“ ist auf dem Sepp Aigner Blog zu lesen.
Nichts Neues von dieser Front. .

So endet diese kurze Reise, die wenig Freude bereitet hat. Es ist erschreckend und empörend, wie diese  (und andere nicht genannten, wie z.B. die SDAJ, die in der Vergangenheit auch immer für die KKE geworben hat) dogmatischen Stalinisten bzw. Marxisten  ihre Erkenntnisse gewinnen und was sie uns als Wahrheit andrehen wollen. Haben wir sie bisher eher belächelt oder der eine bzw. die andere vielleicht auch mal aus unverständlichen Gründen das UZ (Unsere Zeitung) – Pressefest besucht, ist es jetzt an der Zeit sich eindeutig abzugrenzen und zu positionieren und die Hetze und Lügen nicht einfach hinzunehmen.  Aus Solidarität mit den sozialen Kämpfen in Griechenland kann es keine Bündnisse und Zusammenarbeit mit diesen Feinden der Freiheit geben, sondern nur die Konfrontation…

2 thoughts on “Das Netzwerk der KKE: Lügen und ihre Verbreitung”

  1. Danke für diesen guten Ausführlichen Bericht. Vorallem die Schluss Worte gefallen mir sehr. Nur weiter so Genossen!

    (A)

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