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Athen: Razzia in der Fakultät der ASOEE — Übergriffe auf und Festnahmen von StraßenhändlerInnen — Beschlagnahmung von der Ausrüstung des freien Radiosenders 98FM

28.12.2012: Cops dringen in die Wirtschaftsfakultät der Uni Athen (ASOEE) in der Patission Str. ein und durchsuchen sie.

Von Beginn an wurde diese Polizeioperation unternommen, um die politischen Treffpunkte in der Fakultät der ASOEE zu unterdrücken. Nach dem Übergriff auf die Villa Amalias vom 20.12.2012 entschied sich der Staat, ein weiteres Mal gegen „die Herbergen der Gesetzlosigkeit“, in diesem Fall die Studios und die Antenne auf dem Dach der freien Radiostation 98FM, zuzuschlagen. Bitte verbreitet die Nachrichten so weit wie möglich…

98fm-stays

Die gesamte Polizeioperation ist eine billige Neuauflage der jüngsten Invasion in die Villa Amalias. Im Falle der Villa wurde eine angeblich anonyme Beschwerde, die der Razzia vorausging, bei der Polizei eingereicht. Im Falle der ASOEE wurden seit Freitag Mittag, dem 28.12., die Unterdrückungskräfte in der Patission Str. –eine zentrale Allee im Zentrum Athens– aufgestellt, nachdem sich eine anonyme Person über den Handel mit illegalen Waren beschwert hatte. Diese anonyme Beschwerde (angeblich ein Telefonanruf) wurde direkt zum Staatsanwalt durchgestellt, der angerufen wurde, um sofort intervenieren zu können.

So wurden, im Auftrag der Staatsanwaltschaft, Anti-Riot-Einheiten zusammen mit Cops der DIAS-Motorradeinheiten und anderem Abschaum zur Fakultät der ASOEE gesendet, um jene zur Strecke zu bringen, die Griechenland angeblich zu einer jahrelangen Niedergang verdammten: die StraßenhändlerInnen mit Migrationshintergrund und die Flüchtlinge aus Afrika, die kopierte Musik-CD und hölzerne Tierfiguren verkaufen… Das Durchgreifen ist nur allzu bekannt: einige der MigratInnen konnten Zuflucht auf dem Hof der ASOEE finden, während die wilden Kannibalen der griechischen Polizei mit rassistischem Hass ihre Knüppel gegen die Menschen schwangen und StraßenhändlerInnen durch mit Motorrädern durch die Straßen des Gebiets jagden.

Aber dieses Mal kam der Staatsanwalt sehr gelegen. Er ordnete die sofortige Invasion der Polizei in die Räumlichkeiten der Universität an, was es den Cops möglich machte, 16 Personen dort festzunehmen. Damit nicht genug, waren die Cops nun ebenso dabei eine Gebäudedurchsuchung durchzuführen

So öffneten sich die Tore der Fakultät, und aus den fünf Etagen des Gebäudes wählte der Staatsanwalt… den Keller, wo sich die Treffpunkte (selbst-organisierte besetzte Räume) von StudentInnen- und anderen Gruppen befinden. Nicht zufällig, brachen die Cops in die anti-autoritären Räumlichkeiten ein, wo sie 5-10 leere Bierflaschen, einige Fahnen/Transpis und Gasmasken für den Gebrauch bei Demonstrationen fanden. Dies war der Moment, als die Cops das schwer bewachte Geheimnis der ASOEE entdeckten: es operierte in der Tat eine Radiostation in diesem Gebäude. Die Cops handelten überrascht, als wenn sie es nicht schon längst wüssten. Die technische Ausstattung wurde wahrscheinlich als Produkt des illegalen Handels von Ideen angesehen, da auch jene beschlagnahmt wurden.

Die Radioantenne wurde gemeinsam mit einem Transmitter und einer Soundanlage demontiert und konfisziert. Die Autoritäten scheinen davon überzeugt zu sein, dass diese Piratenradiostation Gesetzlosigkeit mit ihrem unautorisierten Rundfunk ausübt. Jeder beginnen sich die Massenmedien zu fragen: Gab es wirklich eine ganze Radiostation innerhalb der universitären Räume? … Wie kommt es, dass auf der gleichen Frequenz (achtundneunzig Frequenzmodulation) immer noch übertragen wird?

Nun, da der Minister der öffentlichen Ordnung, Nikos Dendias, die Radiostation 98FM im Keller und die Antenne auf dem Dach des ASOEE-Gebäudes abbaute, sollten die JournalistInnen nicht ein bisschen was von einer Funkstörung gehört haben? Sollten wir nicht alle Empfangsprobleme haben?

Wir können immer noch die Sendungen auf der gleichen Frequenz hören. Ist es vielleicht eine „legale“ Radiostation? Natürlich nicht. Was wir laut und klar hören können, ist stattdessen die FreeFM! Ihr unautorisierter Rundfunk wird durch die Übertragung des Stadtparks von Radioantennen des Ymittos Berges in Athen ermöglicht. Die sogenannte FreeFM ist nichts weiter als die Radiostation, die vor 7 Jahren aufgebaut wurde (mit dem Segen verschiedener PolitikerInnen, IdeologInnen des Totalitarismus), um auf die Frequenzen „zu betreten“, auf die das freie Radio 98FM seit dem Jahr 2002 überträgt.

Soviel zu ihrer Scheinheiligkeit… Und nun zum Effekt: Wir gehören keiner ökonomischen oder politischen Autorität an. Wir haben keinen finanziellen Nutzen vom Betrieb unserer Radiostation. Wir drücken keine Tendenz eines/r speziellen Vertreters/in oder Gruppe aus, sondern wir geben nur jenen eine Stimme, die die minimalen politischen Vereinbarungen der freien Radiostation selbst akzeptieren. In diesem Kontext, kann jedeR die Radiostation mit-verwalten und ins Mikro reden. Wir gehorchen weder dem „Griechischen Nationalen Rundfunkrat“ noch irgendeiner ähnlichen formellen oder informellen Agentur.

Deshalb wollen sie, dass wir unseren Mund halten. Aber sie werden damit nicht erfolgreich sein. Wie in jeder Epoche, so werden auch jetzt Ideen, freie Rede und Minderheitsmeinungen ihren Weg finden auszubrechen; und die Gestalt von Herrn Dendias (und eines jeden Dendias) ist zu klein, um einen Schatten auf solche Worte zu werfen.

Die Radiostation wird weiterhin auf der Frequenz von 93.8FM und online übertragen.

Ihr versucht sie zu begraben, aber ihr vergesst dass sie ein Samen ist.
Gegeninformation kann nicht zum Schweigen gebracht werden.

Radiozonen des subversiven Ausdrucks
93.8FM | 98.0FM(?) | radio98fm.org

Update zu den Festgenommenen: Laut eines Kommuniqués vom selbstverwalteten Treffpunkt der ASOEE wurden am 28. Dezember insgesamt 17 StraßenhändlerInnen von den Bullen gejagt und festgenommen. Am 29. Dezember 2012 mussten sie sich einer vorläufigen Anhörung unterziehen. Zwei ImmigrantInnen werden in Gewahrsam festgehalten, weil sie keine „geeigneten Papiere“ haben. Alle anderen wurden entlassen. Auf sie kommt ein neues Verfahren am Freitag, den 11. Januar 2013 zu.

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