Category Archives: Gegeninformation

Madrid: Vortrag “Die Netzwerke der Herrschaft” im Libertären Kulturverein von Vallekas

erhalten am 13.11.2018

Libertärer Kulturverein  Vallekas: Vortrag: Die Netzwerke der Herrschaft, Der Einfluss von Sozialen Netzwerken auf das Alltagsleben und Aktivismus.

Der Staat war immer mit verschiedenen Werkzeugen ausgerüstet, um Kontrolle über unsere Fähigkeiten und unser Leben auszuüben, sei es durch Angsterzeugung, Erpressung usw.

Gegenwärtig leben wir in einem System mit milderem Antlitz. Es ist aber deshalb nicht weniger schädlich für den Menschen, wie für das Ökosystem. Die Demokratie sucht die Kontrolle aller Aspekte unsere Lebens, gleichermaßen auf einem gemeinschaftlichen, wie individuellen Level. Zu diesem Zweck wurden die Technowissenschaften entwickelt.

Für jeden dieser Aspekte gibt es vielfältige technologisch-wissenschaftliche Felder, aber heute wollen wir uns auf etwas viel einfacheres fokussieren: SOZIALE NETZWERKE

Sowohl auf biologischer Ebene (Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit und Gedächnisleistung), wie auch psychologische (Individualisierung, Oberflächlichkeit in menschlichen Beziehungen) werden wir reflektieren, wie Soziale Netzwerke in der Lage sind, unsere Wahrnehmung der Welt sowie die Möglichkeiten miteinander in Kontakt zu treten, zu verändern.

Phillipinen: Krieg gegen Drogen. Vier Freiwillige von “Food not Bombs” getötet, einer im Gefängnis

Quelle: “Freedomnews”, erhalten am 4.11.2018

Wie die meisten von euch sicherlich gehört haben dürften, hat der Präsident der Philipinen Rodrigo Duterte, der im Juli 2016 sein Amt angetreten hat, den „Philippinischen Krieg gegen Drogen“ begonnen, auch bekannt als Operation Double Barrel „Doppelläufig“”. Die skandalöse Kampagne hat die landesweite Ausschaltung von Drogen-Personen zum Ziel.

Die Polizei gab den Bullen grünes Licht Drogenverdächtige zu exekutieren und dann heimlich Drogen und Schusswaffen bei ihnen zu platzieren. Darüber hinaus gibt es Anzeichen dafür, dass die Polizei Krankenhäuser benutzt, um ihre Tötungen zu verbergen. Duterte fordert auch die philippinischen Bürger*innen dazu auf, mutmaßliche Drogenabhängige und Kriminelle zu lynchen.

Im Sommer 2018 wurden vier Freiwillige von Food Not Bombs getötet und einer wurde wegen Drogenbesitz inhaftiert und wartet im Gefängnis auf seinen Prozess. Die Freunde und Familien der Opfer glauben, dass die die Morde und die Verhaftung das Resultat von Duterte‘s Krieg gegen Drogen sind

Die vier ermordeten Aktivist*innen sind:

Chris Jose Eleazar (aliasMokiam)
Food Not Bombs Bukidnon/Davao
Geboren: Nov.17, 1990 Getötet: Sept. 15, 2018

Jan Ray Patindol (alias Pating)
Food Not Bombs Davao
Geboren: 2. Januar 1989 Getötet: Sep.15,2018

Jessie Villanueva De Guzman
Food Not Bombs Baliwag
Geboren: 2. Juni 1990 Killed: Getötet: 6. Juli 2018

Patrick Paul Pile
Food Not Bombs Baliwag Volunteer
Geboren: 10. Dezember 1988 Getötet: 23. Juli 2018

Chris Jose Eleazar und Jan Ray Patindol wurden im September 2018 während einer Polizei-Razzia im Haus eines Food-Not-Bombs-Freiwilligen gefoltert und getötet. Ihre Körper waren bedeckt mit Verbrennungen von Zigaretten und Prellungen. Die Polizei erklärte, dass sie sich gewehrt hätten. Die Freund*innen der Opfer sagen jedoch, dass das nicht der Fall war und Verletzungen an ihren Körpern darauf hinweisen, dass die beiden jungen Männer gefoltert wruden.

Jessie Villanueva De Guzman und Patrick Paul Pile wurden bei zwei getrennten Vorfällen im Juli 2018 ermordet. Sie waren sehr aktive Mitglieder von Food Not Bombs Baliwag. Beide verdienten ihren Lebensunterhalt in den Nachtstunden als Motordreiradfahrer.

Jessie wurde von der Polizei in Baliwag, Bulacan ermordet. Eine Woche nach seinem Mord, nahm Patrick mit seinem Dreirad einen Beifahrer mit. Am Ende der vereinbarten Roure, wartete eine Gruppe Polizisten. Patrick wurde durch einen Schuss in seinen Rücken getötet. Er ist einer von vielen Dreirad-Fahrer*innen, die auf ähnliche Weise getötet wurden.

In allen vier Fällen erklärrte die Polizei, dass die Opfer während „ rechtmäßiger Operationen“ getötet wurden und sich ihrer Verhaftung widersetzten und sich wehrten.

Im August 2018 wurde der Food-Not-Boms Freiwillige Marco in der Gemeinde Bantayan, Cebu verhaftet und wartet auf seinen Prozess, nachdem er anscheind wegen Drogenbesitz verhaftet wurde. Marco ist ein langjähriger Aktivist: Er initierte das Food Not Bombs Project in Bantayan. Die Bedingungen, denener er im Gefängnis ausgesetzt sind, lassen sich nur als „höllisch“ bezeichnen. (…)

Extremadura, Spanischer Staat: Vorstellung von Algrano Extremadura. Freies Medienprojekt.

Selbstdarstellung der Gruppe am 30.10.18 erhalten

Als Gruppe von Menschen aus Extremadura arbeiten wir gemeinsam an unserem freien, libertären, solidarischen, gegen wirtschafltiches Wachstum Positon beziehende,, Medienprojekt, das den Kriterien Selbstverwaltung, Autonomie, Unabhängikeit von Religion Politik und Gewerkschaften erfüllt.

Auf der Website gibt es  einen Kalender mit Aktivitäten und Veranstaltungen, einen Mailorder mit einigen Büchern im Angebot und zahlreiche Texte , die auch globale Themen behandeln  

Wir sind sehr an einem Austausch mit affinen Gruppen und Individuen interessiert, die ihre eigenen Artikel, Nachrichten oder Aktivitäten auf unserer Seite veröffentlichen können bzw. deren Inhalte von uns auch übernommen werden können.

Längerfristig planen wir auch ein selbstverwaltetes Freies Radio für die Stadt Badajos zu schaffen sowie auch die Anfertigung von gedrucktem Material. 

Salud y Rebeldía!

www.algranoextremadura.org/

Genua: Treffen Diskusson – Der Spaß ist vorbei. Das “neue” Gesicht der Macht zwischen Repression und “Wiederkehr” des Nationalstaates

Die Natur des Staates lag immer in der schmutzigen Aufgabe, die Herrschaftsordnung mit dem Gewaltmonopol zu schützen. Das ist nichts Außergewöhnliches. Dennoch variieren im Lauf der Zeit die Mittel und Wege beträchtlich. Es ist offensichtlich, dass wir uns in einer Zeit autoritärer Verschlimmerung befinden. Die Jagd auf Fremde, der Bau neuer Gefängnisse und Lager für Migrant*innen, die Technologien, die die freie Meinungsäußerung von Menschen erschweren. Der Angriff auf die anarchistische Bewegung, mit einer Justiz und ihrer Schergen, die jetzt bewusst davon träumen, die revolutionäre Presse mundtot zu machen, ist Teil dieser zunehmenden autoritären Beschleunigung.

Wie ist das „neue“ Gesicht der Macht einzustufen? Kehren wir zum Faschismus zurück? Oder haben wir vielmehr mit einer Regierungsform, Ausdruck der laufenden technologischen “Revolution“ zu tun?

Wir sprechen darüber mit einigen Gefährt*innen der Redaktion der anarchistischen Zeitung “Vetriolo”.

Danach Aperativ / Abendessen

Mittwoch 7. November 18:30 Uhr

Dokumentations- und Diskussionsraum  Chelinse (Vico della Torre di S. Luca 6, Genova)

Santiago, Chile: Mitteilung der gemeinschafltichen Anarchistischen Bibliothek “Denjiro Kotoky y Suga Kanno”

erhalten am 18.10.18

Als Bibliothek verkünden wir, dass wir mit festen Terminen zurückkehren, die jeden Samstag von 17-19 Uhr im Park Pierre Dubois (in der Nähe des Skateparks) stattfinden werden. Wir laden euch ein, euch zu beteiligen und zu versuchen, die Monotonie des Alltags zu durchbrechen, Ideen hervorzubringen, das Projekt und das interessante Material, das wir haben, kennenzulernen. (Einen Katalog unseres Leihbestandes könnt ihr per E-Mail anfordern. Bestellungen werden dann an den Veranstaltungstagen ausgehändigt)

Scheut euch nicht vorbeizukommen, auch wenn ihr euch noch nicht als Gemeinschaftsmitglied unserer Bibliothek registriert habt (und auch mit keiner Buch bzw. Sachspende am Projekt beteiligt seit)

Wir erinnern euch daran, dass dieser Raum sich gegen die Herrschaft und Autorität in ihren vielen Ausdrucksformen stellt, sowohl gegen Speziesmus, Rassismus, Machismus, wie vielen anderen.

https://bibliotecakotokuykanno.wordpress.com/

Madrid: Veranstaltung über Soziale Netzwerke am 28. Oktober

erhalten am 21.10.2018
Gespräch- Debatte: Netzwerke der Herrschaft: Mit dem Bezug auf Soziale Netzwerke und ihr Einfluss auf die Kämpfe und das tägliche Leben.
– Sonntag, 28. Oktober.
– Um 19.00 Uhr
– Plaza de Oporto, Madrid.
Metro: Porto.
(Wenn es regnet oder bei schlechtem Wetter, werden wir ins Anarchistische Lokal Motín (C / Matilde Hernández, 47) umziehen)Für weitere Informationen: localanarquistamotin.noblogs.org

Der Staat war immer mit verschiedenen Werkzeugen ausgerüstet, um Kontrolle über unsere Fähigkeiten und unser Leben auszuüben, sei es durch Angsterzeugung, Erpressung usw.

Gegenwärtig leben wir in einem System mit milderem Antlitz. Es ist aber deshalb nicht weniger schädlich für den Menschen, wie für das Ökosystem. Die Demokratie sucht die Kontrolle aller Aspekte unsere Lebens, gleichermaßen auf einem gemeinschaftlichen, wie individuellen Level. Zu diesem Zweck wurden die Technowissenschaften entwickelt. Sie wurden zu einer Art Gottheit für die Gesellschaft und das Leben, auf kollektiver, wie individueller Ebene.

Durch neue Technologien können sie uns auf der Straße und auch bei unserer Arbeit kontrollieren. Sie verfügen über die Kontrolle über unsere Gesundheit, die Art, wie wir uns reproduzieren, einschließlich unsere Geisteshaltung und Vorstellung über die Welt. Für jeden dieser Aspekte gibt es vielfältige technologisch-wissenschaftliche Felder, aber heute wollen wir uns auf etwas viel einfacheres fokussieren: SOZIALE NETZWERKE

Sowohl auf biologischer Ebene (Einfluss auf unsere Konzentrationsfähigkeit und Gedächnisleistung), wie auch psychologische (Individualisierung, Oberflächlichkeit in menschlichen Beziehungen) werden wir reflektieren, wie Soziale Netzwerke in der Lage sind, unsere Wahrnehmung der Welt sowie die Möglichkeiten miteinander in Kontakt zu treten, zu verändern. Sie sind Teil unseren täglichen Lebens und sind in der Lage, die Sprache, das Verständnis der Welt und der Gesellschaft, die uns umgibt, zu verändert, bis hin zu dem Punkt, dass dass der Versuch, von ihnen wegzukommen, zur Isolation von einer Gesellschaft isolierter, kybernetisch verbundener, Individuen führt. Das gilt auch für kämpferisch anarchistische, antiautoritäre Umgebungen usw. Deshalb denken wir darüber nach, wie Netzwerke auch im Kampf beeinfusst haben, nicht nur aus einer Perspektive mangelnder Sicherheit, sondern auch, wie wir den Kampf begreifen.

Ausgabe 6 der französischsprachigen Zeitung Kairos erschienen

erhalten am 10.8.2018

Die Ausgabe 6 der französischsprachigen, anarchistischen Zeitung Kairos (Oktober 2018) zum Thema “Gegen Gefängnisse und ihre Wärter*innen” ist gerade erschienen. Die Papierausgabe kann bestellt werden, indem ihr eine Mail an kairosjournal@riseup.net schickt.
Auf der Seite https://kairosjournal.noblogs.org/ sind alle bisher erschienen Ausgaben verfügbar.

Zürich: Fermento- Veranstaltungsprogramm (Oktober-November 2018)

VERANSTALTUNGSPROGRAMM
OKTOBER-NOVEMBER 2018


Donnerstag 18. Oktober, 20:00 Uhr
Vortrag: Arbeiter-Zeitung (1876-1877)


Sonntag 21. Oktober, 19:00 Uhr
Film: Caracremada


Sonntag 28. Oktober, 17:00 Uhr
Textdiskussion: Negazine
Technologie und Derealisierung


Donnerstag 1. November, 20:00 Uhr
Vortrag: Der Rebell (1881-1886)


Sonntag 4. November
Buchvorstellung & Diskussion:
Lou Marin – Im Kampf gegen die Tyrannei


Donnerstag 15. November, 20:00 Uhr
Vortrag: Die Autonomie (1886-1893)


Samstag 17. November, 16:00 Uhr
Buchvorstellung & Diskussion:
Parole chiare / Klare Worte


Donnerstag 22. November, ab 19:00 Uhr
Anti-Rep-Bar: Soliabend zum Hambacher Forst
20:00 Uhr: Input & Diskussion (Flyer folgt)


Freitag 23. November, 20:00 Uhr
Vorstellung und Diskussion: Rhizom Nr. 5


Reguläre Öffnungszeiten:

Mittwoch 15:00-20:00 Uhr

Donnerst. 16:00-21:00 Uhr

Samstag 15:00-20:00 Uhr

Sonntag 15:00-20:00 Uhr


Vortragsreihe:
Frühe anarchistische Zeitungen

An drei Abenden werden wir einige der ersten anarchistischen Zeitun­gen in deutscher Sprache vorstellen. Wir werden dabei versuchen, ein Verständnis, nicht nur der Inhalte der Zeitungen zu schaffen, sondern ebenso der Kontexte, in welchen diese Zeitungen produziert wurden, in welchen sie intervenierten und welche Vorschläge ihre Macher – nicht nur theoretisch – vertraten.

Dabei wird das Verhältnis von Theorie und Praxis ebenso zur Sprache kommen, wie die Komplikationen, Zeitungen zu drucken, während die Schergen des Staates einem an den Fersen sind oder man ins Exil gedrängt wurde. Die Tatsache, dass die Propaganda durch die Tat keineswegs eine marginale Sache, vielmehr ein grundlegen­der Vorschlag (nicht nur) der deutsch­sprachigen Sektion der Internationale war, wird ebenso Beachtung finden, wie die grundlegenden Fra­gen des Eigentums, der indi­viduellen Autonomie und der Revolution.

Donnerstag 18. Oktober, 20:00 Uhr:
Die Arbeiter-Zeitung (Bern, 1876-1877)

Donnerstag 1. November, 20:00 Uhr
Der Rebell. Organ der Anarchisten deutscher Sprache (Klandestin, 1881-1886)

Donnerstag 15. November, 20:00 Uhr
Die Autonomie. Anarchistisch-communistisches Organ (London, 1886-1893)

Die verschiedenen Vorträge werden sich aufeinander be­ziehen, können aber auch einzeln besucht werden.

Filmvorführung:

Caracremada

Freitag 21.Oktober, 20:00 Uhr

Am Ende des zweiten Weltkriegs wurden die Pyrenäen von anarchis­tischen Guerillagruppen der in Toulouse exilierten Spanischen C.N.T.infiltriert, um das Franco-Re­gime zu bekämpfen. 1951, nach sechs Jahren fruchtlosen Kämpfens, zieht die libertäre Organi­sation  ihre Aktionsgruppen an­gesichts der Repression seitens der Faschisten und des Schweigens des demokratischen Westens zurück. Einige der Widerständler gehorchten nicht und führten den Kampf alleine fort. Ohne viele Worte zeigt der Film das Leben  eines dieser Kämpfer auf eigene Faust, kaum bewaffnet, mit einer Säge und einer guten Idee…

Textdiskussion:
Technologie und Derealisierung
Sonntag, 28. Oktober, ab 17:00 Uhr

Die Geschichte der Menschheit ist auch die Geschichte der Techniken, von der Sprache über die Werkzeuge und Maschinen bis zum Compu­ter, der heute das Antlitz der Welt so radikal verändert hat. Die Wirt­schaft ist das Feld, worin sich die Techniken, von diesem oder jenem Kapital vorangetrieben, in ständigem Konflikt gegeneinander ent­wickeln, um den Fortbestand der Ausbeutung zu sichern. Die Techno­logie jedoch, wie wir sie hier zu verstehen versuchen wollen, ist ein gesamtheitlicher Prozess, der nunmehr über die Wirtschaft und somit den Konflikt unter den Techniken Überhand gewonnen hat. Weshalb unsere alten analytischen Mittel, auf die politischen und ökonomi­schen Verhältnisse zielend, heute zu wünschen übrig lassen, um diesen überwältigenden Wandel, der sich eingeleitet hat, zu verstehen.

Der Prozess der Technologie ist nicht als etwas zu verstehen, das von irgendeiner Elite dirigiert werden könnte, sondern er drängt den Dingen seinen eigenen Lauf auf. Er ist das verselbständigte Resultat des quantifizierenden Bestrebens, die Welt zu kontrollieren. Sein Ziel ist die Vereinheitlichung, und somit die Abflachung von all dem, was im Menschen aus der Konfrontation mit der Realität erwächst – kultu­relle Inhalte an erster Stelle. Und wenn es nicht möglich ist, dass alle die selben Gegenstände begehren und die selben Inhalte denken, so ist es möglich, dass die Bedeutung dieser Gegenstände und Inhalte in gleichem Masse an Realität verliert. Ein Schleier von derealisierter Bedeutung legt sich über die Realität, die nunmehr, überdrüssig der menschlichen Niederträchtigkeiten, die weiter ihren Lauf nehmen, je­der Bedeutung entleert wurde. Je mehr unsere Referenzen, womit wir täglich unsere Welt aufbauen, kognitive Reize, Informationen, Sche­men, an die Technologie delegiert werden, desto mehr finden wir uns von der Realität getrennt, derealisiert, und desto mehr auch ohne Mit­tel, uns dessen gewahr zu werden. Dabei geht es nicht nur um das Sys­tem von Geräten, das uns umgibt, die technischen Strukturen und Menschen, die es aufrecht erhalten, die Technologie ist vor allem auch in unsere Mentalität eingedrungen. Nur als Beispiel die zahlreichen parzellierten Denkmuster, die vor uns aufgestellt werden, um Formen des Protests zu rezyklieren, die nunmehr gänzlich symbolisch sind und jeden Bezug zur gesamtheitlichen Realität der Ausbeutung verlo­ren haben – und deren einziges Ziel es ist, uns davon abzuhalten, das, was uns angreift, in seiner realen Substanz zu erkennen und zu zerstören.

Für eine Vertiefung dieser Überlegungen empfehlen wir die Lektüre der Zeitschrift mit dem Namen Negazine, deren erste Ausgabe Anfangs 2017 von Anarchisten in Triest herausgegeben wurde. Sie ist in der Bibliothek Fermento sowohl auf Italienisch, Englisch und Deutsch erhältlich. Darin wird in diversen Artikeln die Hypothese der Derealisierung entwickelt. Zur Grundlage der Diskussion möchten wir im Mindesten die beiden Artikel „Technologie“ und „Technologische Kontrolle“ nehmen.

Buchvorstellung und Diskussion:
Im Kampf gegen die Tyrannei
Sonntag 4. November, 18:00 Uhr

An diesem Abend wird Lou Marin das Buch „Im Kampf gegen die Ty­rannei. Gewaltfrei-revolutionäre Massenbewegungen in arabischen und islamischen Gesellschaften: der zivile Widerstand in Syrien 2011-2013 und die „Republikanischen Brüder“ im Sudan 1983-1985“ vor­stellen, welches von ihm, Guillaume Gamblin und Pierre Sommer­meyer dieses Jahr im Verlag der Graswurzelrevolution herausgegeben wurde.

Klappentext: „Die Kriege im Mittleren Osten und in der afrikanischen Sa­helzone treffen vor allem ZivilistInnen und zwingen Millionen zur Flucht. Viele Medien stellen als Handelnde nur die bewaffneten Mili­tärs und Mili­zen dar, denen eine angeblich passive, ihnen ausgeliefer­te Bevölkerung ge­genübersteht. Dieses Bild lässt zunehmend in Ver­gessenheit geraten, dass in den arabischen Aufständen 2011 Militär­diktaturen auf gewaltfreie Weise gestürzt oder ins Wanken gebracht worden sind.“

Buchvorstellung und Diskussion:
Parole chiare / Klare Worte
Samstag 17. November 16:00 Uhr

„In den Vereinigten Staaten, zwischen 1914 und 1920, entfesselte sich die grösste bewaffnete revolutionäre Offensive des 20. Jahrhunderts gegen die Regierungs-, Justiz-, Religions-, Industrie- und Finanzein­richtungen des grössten kapitalistischen Landes des Planeten, bewirkt von einer Handvoll italienischer Anarchisten, die zu Beginn des 19. Jahrhunderts dahin immigrierten. Und eben aus ihren Reihen ka­men Nicola Sacco und Bartolomeo Vanzetti, berühmt geworden wegen ihrer Hinrichtung auf dem elektrischen Stuhl im Jahr 1927, als Ab­schluss eines Justizfalles, der überall auf der Welt Furore gemacht hat. Weshalb sind diese Ereignisse so lange unbekannt geblieben und erst seit Kurzem wieder aufgedeckt worden?

Weil, „wenn die Anarchisten die Geschichte nicht machen, machen sie ihre Feinde.“ So sind die direkten Aktionen dieser subversiven Mi­granten, ein sehr schlechtes Exempel für die Nachwelt bildend, in die Hände jener gefallen, die alles Interesse daran hatten, sie beizulegen, zu verbergen und zu verleumden. Gegen den politischen Realismus, griffen sie trotz ihrer geringen Zahl jede Autorität an. Gegen die hoff­nungslose Ohnmacht, fanden sie sich nicht mit dem Mangel an Mit­teln ab, sondern strengten sie sich an, ihn zu überwinden. Gegen den illusorischen Idealismus, zögerten sie nicht, Blut zu vergiessen. Gegen die strategi­schen Kompromisse, verkauften sie nicht ihre Träume. Gegen jeden Gemeinplatz, stellten sie die Freiheit des Individuums nicht der Notwen­digkeit des Zusammenschlusses entgegen. Hier ver­schmelzen die Liebe

für die Freiheit und der Hass auf die Macht in ei­ner wahren Lebens­ethik, auf dass jene Korrepsondenz von Traum und Realität, von Liebe und Revolte, von Küssen und Dynamit stattfindet, welche den „guten Krieg“ jener italienischen Anarchisten charakterisierte.

Dieses Buch versucht, die Ereignisse zurückzuverfolgen durch ihre klaren Worte, um der glühendsten Vergangenheit die institutionelle Uniform abzureissen, welche die historiographische Akademie ihr aufgenäht hat, um endlich eine Geschichte ins Leben zu rufen, die we­der Autorität noch Gehorsam kennt.“

Nach einer kurzen Präsentation des hier beschriebenen Buches Parole chiare. La ‘buona guerra’ degli anarchici italiani immigrati negli Stati Uniti (1914-1920), [edizioni Gratis] wollen wir, ausgehend vom Inhalt des Buches, über gegenwärtige Problematiken in der anarchistischen Bewegung disku­tieren. Das Buch ist auf Italienisch und auf Französisch im Fermento erhältlich.

Diskussion:
Rhizom Nr. 5
Freitag 23. November, 20:00 Uhr

Die neuste, fünfte Ausgabe des Rhizom. Anarchistische Flugschrift zur Unterstützung des Kampfes gegen Gentechnik und die Welt die sie benötigt, erschien im September 2018 und ist ab sofort u.a. im Fer­mento erhältlich. Die Texte der aktuellen Rhizom Ausgabe, „behan­deln insbesondere Klassenfragen inspiriert durch einen Brief den die Zeitschrift erhalten hat.“ So wird im Editorial die Frage aufgeworfen: „Gegen wen kämpfen wir?“ und weiter „wie steht es um all die Ak­teur*innen, die sich nicht klar zuordnen lassen, und um diejenigen, die von der strukturellen Herrschaft profitieren? Und wenn mensch sich die Frage stellt, mit wem wir kämpfen wird diese Problematik umso brisanter.“ Dabei wird festgestellt, dass sich in einem Kampf gegen die Gentechnik, oder spezifischer gegen Monsanto, ein Bruch heraus kristallisiert rund um die direkten Aktionen die nicht politisch verwertet werden können.

„Wir werden uns weiterhin die Frage stellen mit wem wir den Umsturz dieser Welt angehen können. Aber es ist  klar, dass es niemals ein be­stimmtes „revolutionäres Subjekt“ geben wird. Der Kampf gegen die Gentechnik muss nicht unbedingt nur von Menschen getragen werden, die in der Landwirtschaft arbeiten. Denn diese Technologien gehören zu einem weit grösseren Gebilde, das unsere Autonomie unterminiert und alle Aspekte unseres Leben betrifft. Überall wo Durst nach Frei­heit besteht, finden wir auch Kompliz*innen.“

Ausgehend von diesen Fragen und Anregungen wollen wir an diesem Abend gemeinsam diskutieren.


ANARCHISTISCHE BIBLIOTHEK FERMENTO
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ADRESSE:
Anarchistische
Bibliothek Fermento
Zweierstrasse 42
8004 Zürich

–    Bibliothek aller Art anarchistischer und antiautoritärer Literatur in verschiedenen Sprachen, zur Ausleihe und zum Lesen vor Ort;
–   Archiv mit Zeitungen, Zeitschriften und Dokumentationen der anarchistischen Bewegung verschiedener Orte und Zeiten, Referenzliteratur, sowie einem umfassenden digitalen Archiv (Druck- und Kopiermöglichkeiten vorhanden);
–   Distributionsbereich mit aktuellen anarchistischen Zeitungen, Flugblättern, Büchern, Broschüren und anderen Publikationen zum Verkauf oder gratis;
–  Arbeitsplatz und Sitzgelegenheiten;
–   Kaffee und Tee.

Das Fermento ist auf Spenden angewiesen.
Konto-Nr.: 60-684900-4
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Email:

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Website:

www.bibliothek-fermento.ch

Weltweit: Eine globale Sicht auf die Repression: Der Gefängnisstreik und die Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen

Quelle: its going down, Übersetzt von ABC Wien, eingegangen am 17.9.18

Landesweiter Gefängnistreik, August 21, Sklaverei endete niemals.
Globale Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen. Für eine Gesellschaft ohne Gefängnis und Staat. https://solidarity.international

In den Vereinigten Staaten ist ein praktisch noch nie dagewesener Gefängnisstreik im Gange, der neue Paradebeispiele für die Koordination zwischen Kämpfen in Gefängnissen und Haftanstalten und der Solidarität mit denen hinter Gittern schafft. In der Zwischenzeit ist vom 23. bis 30. August die sechste jährliche Solidaritätswoche mit anarchistischen Gefangenen, in der Anarchist*innen auf der ganzen Welt solidarische Kämpfe in verschiedenen Ländern und Kontinenten koordinieren. Wir sind der festen Überzeugung, dass jede*r Gefangene ein*e politische*r Gefangene*r ist, und dass der beste Weg anarchistische Gefangene zu unterstützen darin besteht, eine Bewegung gegen den Komplex aus Gefängnis und Industrie (prison-industrial complex) zu schaffen. Gleichzeitig ist die Woche der weltweiten Solidarität auch eine großartige Möglichkeit, von unseren Gefährt*innen aus anderen Teilen der Welt Informationen über die verschiedenen Repressionsstrategien, die die unterschiedlichen Regierungen heutzutage anwenden, zu bekommen und wie diesen entgegengewirkt werden kann.

Im folgenden Text werden wir heutige Repressionsmuster, die gegen Anarchist*innen auf der ganzen Welt gerichtet sind, sowie einige Wege, wie die Bewegung darauf reagierte, untersuchen. Betrachtet man dies als einen Mikrokosmos der Art wie Repression in Bezug auf die breite Bevölkerung funktioniert, kann es uns helfen die Gefangenensolidarität als einen Teil der umfangreichen Kämpfe gegen Gefängnisse und für die Freiheit aller Menschen zu verstehen. Als Anarchist*innen wollen wir staatliche Repressionstaktiken analysieren, um bessere Sicherheitspraktiken zu entwickeln, internationale Verbindungen aufzubauen und geschickter darin zu werden, uns zu unterstützen und füreinander da zu sein.

Repressionswellen 2017 – 2018

In den ersten beiden Jahrzehnten des 21. Jahrhunderts haben sich die Repressionen gegen Anarchist*innen und ihre Gefährt*innen immer weiter verschärft. Einige der bekanntesten Beispiele der letzten Jahre sind der Tarnac Fall in Frankreich, eine „Terrorismus“-Untersuchung die 2008 begann und dieses Jahr damit endete, dass alle Angeklagten freigesprochen wurden;  Operations Pandora, Piñata und Pandora 2  in Spanien, die im Dezember 2014 begannen und dieses Jahr abgeschlossen wurden; Scripta Manent  in Italien, seit 2017; Operation Fenix in Tschechien, seit Frühling 2015; die Angriffe der Polizei überall in Europa seit der Kämpfe im Sommer 2017 in Hamburg; der Warsaw Three Brandstiftungsfall in Polen, 2016-2017; und Massenrepression in den USA, die aus der Besetzung von Standing Rock und dem Widerstand gegen  Trump’s Amtseinführung resultierten, wobei hierbei der letzte Fall im Juli letzten Jahres abgeschlossen wurde. Wir beobachten auch anhaltende Repressionen in der Diktatur von Belarus und Russland, in letzter Zeit meist im Zusammenhang mit dem „Network“ Fall.

Überall auf der Welt wählen Staaten und ihre Polizeikräfte aus dem gleichen Sortiment an Taktiken um das gleiche Ziel zu erreichen. Die spezifischen Entscheidungen die sie treffen, variieren je nach Kontext, aber der Werkzeugkasten und die grundlegenden Zielsetzungen sind die gleichen.

Es werden beispielsweise in vielen verschiedenen Ländern die gleichen Computerprogramme verwendet, um Online-Zensur zu realisieren. In einigen Ländern werden sie dazu verwendet, einzelne Websites zu blockieren, während anderswo direkt eine Vielzahl an Inhalten geblockt wird – in beiden Fällen ist das gleiche Prinzip wirksam und die Autoritäten müssen nur einige weitere Häkchen in der Repressions-Software setzen, um die erste Situation zur zweiten zu machen. Das gleiche gilt für andere Formen der Polizeirepression. Dies zeigt, der Unterschied zwischen einer vermeintlich freizügigen liberalen Demokratie und einer autokratischen Diktatur ist quantitativ und nicht qualitativ.

Wenn die Polizei in einem Teil der Welt eine neue Strategie entwickelt oder eine spezifische Taktik häufiger anwendet, verbreitet sich dies oft auf andere Polizeibehörden auf der ganzen Welt. Zum Beispiel können wir Parallelen zwischen den verschiedenen Fällen mit Gefängnisstrafen in den USA ziehen – Eric McDavid, David McKay, Bradley Crowder, Matthew DePalma, the NATO 3, the Cleveland 5 – und nachfolgend die Operation Fenix in Tschechien, bei der Agents Provocateurs versuchten, Leute zur Planung von Angriffen gegen einen Militärzug sowie ein Polizeiräumkommando mittels Molotov Cocktail zu bewegen. Anfangs war die Operation Fenix eine Kampagne gegen das Netzwerk der Revolutionary Cells, ein Netzwerk das sich zu diversen Brandanschlägen gegen Polizei und Kapitalist*innen bekannt hatte; am Ende war es ein erfolgloser Versuch, Anarchist*innen zu stigmatisieren und die Legitimität der tschechischen Polizei in den Augen der Öffentlichkeit wiederherzustellen.

Ebenso können wir die Operation Fenix im Kontext der jahrzehntelangen Bemühungen der Polizei in Italien, der USA, Frankreich, Spanien und anderswo verstehen, einen Präzedenzfall zu schaffen, um Fälle terroristischer Verschwörung zu kreieren, mit denen Anarchist*innen diskreditiert und inhaftiert werden können. Einzeln betrachtet sind der Marini Fall in Italien, der Tarnac 9 Fall, Operationen Pandora und Pinata und Operation Fenix nichts mehr als irritierende Beispiele für das übertriebene und kompetenzüberschreitende Verhalten der Staatsanwaltschaft. Wenn wir diese Fälle aber als Teil eines globalen Musters betrachten, in dem die repressiven Kräfte des Staates nach einer neuen Methode suchen, die Netzwerke, die weitverbreitete soziale Bewegungen verbinden, zu neutralisieren, können wir erkennen, was sie alle gemeinsam haben. In diesem Kontext wird auch deutlich, wie sich die russische Taktik der Folter von Gefangenen, um falsche Geständnisse zu bekommen, auf andere Länder ausbreiten kann, wenn wir nicht sofort Schritte unternehmen, dies bekannt zu machen. Deshalb ist es so wichtig, einen globalen Ansatz zur Untersuchung staatlicher Repression zu verfolgen.

Wachsende internationale polizeiliche Zusammenarbeit

Überall auf der Welt kooperieren Polizeikräfte mehr als je zuvor. Repression in ganz Europa zeigt die internationale polizeiliche Zusammenarbeit und die extremistischen und terroristischen Paragrafen in Aktion.

Der jüngste Fall des Bankraubs in Aachen zeigt dies: ein europäischer Haftbefehl, das Teilen von Geheimdienstinformationen unter Polizeieinheiten und die Intensivierung der Zusammenarbeit zwischen diversen Justizbehörden nach zwei Bankenteignungen 2013 und 2014. Spanische und deutsche Polizei kooperierten, um DNA-Material der angeblichen Enteigner*innen zu erhalten, die wegen des Überfalls der Pax Bank, der Bank der katholischen Kirche, verurteilt wurden.

Im letzten Fall im Zusammenhang mit der SHAC Kampagne (Stop Huntigdon Animal Cruelty), der auf den derzeitigen Animal Liberation Gefangenen Sven van Hasselt abzielte, können wir diesen Trend ebenfalls erkennen. Sechs europäische Staaten kollaborierten bei seiner Verhaftung.

Wir sehen ebenfalls, dass die Polizei in verschiedenen Ländern ihre Ausbildung und Erfahrungen auf einer besser organisierten Basis austauschen. So veranstaltete die europäische Polizeiakademie (CEPOL) ein Terrorismus Seminar in Griechenland im Juli 2012, bei dem die italienischen Behörden einen detaillierten Überblick über die repressiven Maßnahmen lieferten, die sie gegen die aufständische anarchistische Bewegung eingesetzt hatten. Das Europäische Polizeiamt (EUROPOL) veröffentlicht jedes Jahr einen Bericht, Terrorismus Situation und Trendanalysen (TE-SAT), in dem ein Kapitel dem linken und anarchistischen „Terrorismus“ gewidmet ist. Diese Art der Zusammenarbeit hat an anderen Orten an Dynamik gewonnen, wie die European Union Intelligence and Situation Center (SitCen); die Mitgliedstaaten der europäischen Union kooperieren auch auf rechtlicher Ebene mit Institutionen wie Eurojust (Anm: Einheit für justizielle Zusammenarbeit der Europäischen Union).

Regierungen im globalen Norden rüsten und trainieren routinemäßig im globalen Süden, um ihre Technologie- und Repressionsstrategien einzusetzen. Deutschland und Israel haben beispielsweise ein Vermögen mit der Unterstützung Brasiliens bei der WM 2014 gemacht. In einem extremen Beispiel versucht Großbritannien nun, Gefangene nach Afrika auszulagern und einen neuen Gefängnisflügel in Nigeria zu errichten. All dies sind gute Gründe, unsere Kämpfe miteinander zu verknüpfen.

Terrorismus Diskurs und Gesetzgebung

Gesetze und Rhetorik gegen „Extremismus“ und „Terrorismus“ sind einige der mächtigsten zeitgenössischen Werkzeuge, um soziale Kämpfe zu kriminalisieren und zu delegitimieren. Viele Staaten entwickeln Anti-Terror-Gesetze als Folge der vorherigen Generation von politischen Bewegungen, wie die Baskische Unabhängigkeitsbewegung in Spanien oder die Rote-Armee-Fraktion (RAF) in Deutschland in den 1970ern. In gewisser Weise kann dies die Struktur des „Terrorismus“ veraltet erschienen lassen, wenn es um zeitgenössische soziale Bewegungen geht, denen es normalerweise an den formalen Hierarchien wie in der RAF fehlt.

Die Hauptfunktion des „Terrorismus“-Rahmens besteht darin, die Aussetzung der gesetzlichen Rechte zu legitimieren, um die Polizei zu befähigen, uneingeschränkte Überwachung, unbefristete Inhaftierung ohne Anklage oder Gerichtsverfahren, völlige Isolation im Gefängnis, Folter anzuwenden – all die Taktiken, die bereits früher zur Aufrechterhaltung des Kolonialregimes, von Monarchien oder Diktaturen angewandt wurden. Seit dem 11. September 2001 und der Erklärung des sogenannten „Kriegs gegen den Terror“ wurden Anti-Terror-Gesetze auf der ganzen Welt verschärft, um Personen die die Stabilität der herrschenden Ordnung bedrohen könnten, mit diesen Taktiken zu unterdrücken.

Deshalb können die liberalsten europäischen Demokratien mit den Autoritäten einer faktischen Diktatur wie Putins Russland übereinstimmen, die den gleichen rechtlichen Rahmen sowohl gegen Anarchist*innen, die die Öffentlichkeit gegen Polizeigewalt verteidigt, als auch gegen Fundamentalist*innen, die willkürlich Zivilist*innen für den islamischen Staat angreifen, haben. Diese beiden Fälle haben in Bezug auf Taktiken, Werte oder Ziele nichts gemeinsam; die eine Sache, die sie verbindet, ist, dass beide die zentralisierte Macht der vorherrschenden Regierung in Frage stellen und herausfordern.

Repression: Eine internationale Sprache mit lokalen Dialekten

„Finde heraus, bis zu welchem Grad Menschen sich stillschweigend unterwerfen lassen, dann hast du genau das Maß, wie viel Ungerechtigkeit ihnen auferlegt werden kann.“
“Find out just what any people will quietly submit to and you have the exact measure of the injustice and wrong which will be imposed on them.”

-Frederick Douglass [1]

Es gibt einige neue Entwicklungen im Bereich der staatlichen Repression. Zum Beispiel sehen wir eine rasante Entwicklung der Repressionstaktiken in Russland im Zusammenhang mit dem „Network“ Fall, bei dem viele Aktivist*innen gekidnappt, bedroht, geschlagen und mit Elektroschocks, über Kopf hängend, und anderen Methoden gefoltert wurden. Mit diesen Taktiken haben die Offiziere der russischen Sicherheitskräfte (FSB, Nachfolger des KGB) die Gefangenen gezwungen, falsche Geständnisse zu unterschreiben, die die Existenz einer erfundenen Gruppe namens „Network“, die angeblich Terroranschläge während der Präsidentschaftswahlen im März 2018 und des FIFA World Cups planten, bestätigten. Dieses Vorgehen schuf eine Atmosphäre der Angst, Isolation und Unsicherheit in Russland, die es sehr schwierig macht, Solidarität zu mobilisieren.

Die Neuerung hierbei ist die Folter, um die Existenz eines vom Staat erfundenen „terroristischen Netzwerks“ zu beweisen. Folter ist für Anarchist*innen und andere Gefangene in postsowjetischen Ländern keine neue Sache; es bleibt eines der mächtigsten Werkzeuge in einem Strafsystem, das notorisch korrupt und freizügig gegenüber der Polizei ist, und deren gesetzliche Überwachung noch geringer als in den Vereinigten Staaten ist. Der russische und weißrussische Kontext zeichnet sich dadurch aus, dass in beiden Fällen der Staat offen autoritär ist und nicht zögert, selbst gegen grundlegende Formen des Protests wie das Aufhängen von Transparenten hart und gewalttätig durchzugreifen.

Gegenwärtig scheint diese Strategie in Russland und Belarus zu funktionieren, aber auf lange Sicht macht die brutale Unterdrückung die Behörden anfällig für plötzliche Ausbrüche von angestauter Wut. In Belarus zum Beispiel standen Anarchist*innen trotz des enormen Drucks der totalitären Regierung an der Spitze einer der mächtigsten sozialen Bewegungen des Jahres 2017.

Im Gegensatz dazu sehen wir in den „westlichen“ Ländern eher legalistische Strategien der Repression, wie extreme Kautions- und Entlassungsbedingungen, die dazu dienen, Individuen durch Zermürbung zu isolieren und ruhig zu stellen. Dies stellt subtilere Formen der Unterdrückung dar, die für diejenigen die sich selbst als Bürger einer Demokratie betrachten, gesellschaftsfähiger sind. Ein polizeilicher Forschungsbericht beschreibt die Repression der SHAC Kampagne als einen Prozess der „Enthauptung von Führungskräften“, der durch langwierige Haftstrafen und extreme Haft- und Bewährungsbedingungen erreicht wird, mit dem Ziel die Menschen absolut von ihrer Bewegung zu isolieren.

Die polizeiliche Zusammenarbeit zwischen verschiedenen europäischen Staaten nimmt nicht immer die gleiche Form an. Während zum Beispiel griechische, italienische und deutsche Konferenzen zu anarchistischem „Terror“ und „Extremismus“ stattfinden, wenden Länder die weniger militante Aktionen und geringer verbreitete Unruhen erlebt haben, andere Ansätze an. Viele Staaten führen als akademische Forschung in „Extremismus- und Terrorismusstudien“ Informationsbeschaffung durch, um die Anwesenheit bestimmter Ideen und Taktiken zu überwachen. Dies wurde in der Tschechischen Republik deutlich, wo solche Studien zur Analyse der lokalen anarchistischen Bewegung verwendet wurden. Zum Beispiel werden trotz der fehlenden Verbindungen zur FAI/FRI oder der Verschwörung der Feuerzellen die jüngsten anarchistischen Aktionen des vorhergenannten Netzwerks der Revolutionären Zellen in Tschechien hauptsächlich anhand akademischer und polizeilicher Forschung beschrieben und bewertet, und als Manifestation/Ableger der anderen Gruppen dargestellt.

Von erfolgreichen Unterstützungskampagnen lernen

„Wir lernen trausendmal mehr von einer Niederlage als von einem Sieg“
„We learn a thousand times more from defeat than we do from victory“

– Ed Mead [2]

Es ist nicht einfach, die Wirksamkeit der Repression zu messen. Eine Repressionskampagne könnte als erfolgreich angesehen werden, wenn die Ziele Haftstrafen erhalten – oder wenn die Bewegung mit der sie verbunden sind, effektiv getrennt, befriedet oder zerstört wird – oder wenn der soziale Kampf in dem die Bewegung engagiert ist, vereinnahmt wird.

So könnte man beispielsweise die Operation Fenix als nicht erfolgreich ansehen, da der Anklage nicht entsprochen wurde und es zu Freisprüchen kam. Die tschechische Polizei konnte allerdings eine enorme Menge an Daten über die anarchistische Bewegung im Land sammeln – und obwohl sie den Fall gegen die Angeklagten nicht gewinnen konnten, haben sie erfolgreich anti-terroristische Theorie und „anti-extremistische“ Stimmung im öffentlichen Diskurs verbreitet. Trotzdem haben die tschechischen Anarchist*innen viel Unterstützung aus der ganzen Welt erfahren, was für die Leute hinter Gittern, isoliert und aufgrund von Extremismus angeklagt, sehr wichtig war.

Eine der letzten inspirierendsten Unterstützungskampagnen der letzten Zeit war die Verteidigung der J20-Verhafteten in der USA, ein Fall der in einer fast vollständigen Niederlage für den Staat endete. Ein weiteres inspirierendes Beispiel unter viel weniger günstigen Bedingungen finden wir in der Kampagne gegen den laufenden „Network“ Terror-Fall in Russland, bei der Eltern der Angeklagten ein „Eltern Netzwerk“ (“Parents’ Network“) zur Unterstützung ihrer Kinder und um sich dem totalitären Regime entgegenzustellen, gründeten.

Verpflichtung Bewegung Verteidigung

Repression führt oftmals zu Isolation und anderen Schwierigkeiten. Jeder ist einzigartig, aber im Allgemeinen brauchen diejenigen die am Ende der Unterdrückung stehen, alle das gleiche: finanzielle Unterstützung, emotionale Unterstützung, Unterstützung der Familien und Freunde der Angeklagten, sichere oder zumindest zuverlässige Kommunikationskanäle, Öffentlichkeitsarbeit über den Fall und – am wichtigsten – die Fortsetzung des Kampfes.

Verschiedene Gruppen können im Kampf gegen Repression unterschiedliche Rollen spielen. Es gibt Gruppen die sich bilden um auf Repression zu reagieren, wie die Kampagne zur Unterstützung der J20-Angeklagten oder Solidarat Rebel, die Informationen über den Aachen Bankraub Fall verbreiten, oder die Antifenix Initiative, die die Analyse und den Widerstand gegen die Operation Fenix in der Tschechischen Republik fördert. Diese Projekte sind sehr wichtig, da sie auf den sofortigen und dringenden Bedarf an Unterstützung reagieren. Es gibt auch Gruppen, die eine konsequente langfristige Anti-Repressions-Arbeit leisten, wie zum Beispiel das Anarchist Black Cross (ABC). Das ABC ist ein internationales Netzwerk von anarchistischen Gruppen, die sich seit nunmehr über einem Jahrhundert für die praktische Solidarität mit Gefangenen engagieren.

Wir können auf verschiedenen Ebenen gegen die Repression vorgehen. Wir können das Bewusstsein für die Wichtigkeit einer Sicherheitskultur (security culture) erweitern und auf die verschiedenen Taktiken der Repression aufmerksam machen, um auf die unvermeidliche Reaktion des Staates auf unsere Bemühungen eine bessere Welt zu schaffen vorzubereiten. Wir können auch materielle Ressourcen aufbauen – Geld für Anwalts- oder Reisekosten sammeln und Gefangene während ihrer Haft und nach der Entlassung zu unterstützen. Dies kann die Organisation von Fundraising-Veranstaltungen oder das Spenden sammeln auf anderen Wegen bedeuten. Am wichtigsten ist es, den Zielen von Unterdrückung und denen, die sie unterstützen, emotionale Unterstützung und Fürsorge zukommen zu lassen.

Abschießend können wir Informationen über Gerichtsverfahren und Gefangene sowie die Möglichkeiten zur Unterstützung in verschiedenen Medienkanälen wie Websites, Broschüren, Podcasts, Büchern, Vorträgen, sozialen Netzwerken (virtuell und real) verbreiten. Das Zine von verschiedenen europäischen ABC Gruppen beispielsweise stellt die Grundlagen der Organisation einer ABC Gruppe vor.

Wir müssen unsere Anstrengungen in der Unterstützung bestimmter Gefangener als Teil eines viel größeren Kampfes gegen Gefängnisse selbst verstehen. Wenn wir bereits solidarisch mit Gefangenen organisiert sind, werden anarchistische Gefangene in einer sehr viel besseren Position sein. Das bedeutet, Gefangenenorganisationen zu unterstützen, Lesestoff und Ressourcen an die Gefangen zu schicken, außerhalb der Gefängnismauern solidarisch mit Revolten zu sein und die Verbreitung eines öffentlichen Diskurs, der klarmacht was wir alle bei der Dekonstruktion des Gefängnis-Industrie-Komplex (prison-industrial.complex) gewinnen können.

Von einer Woche der Solidarität bis zur Abschaffung der Knäste

Anarchist*innen kämpfen an vorderster Front des Kampfes gegen die Gefängnisgesellschaft neben armen Menschen, People of Color, indigenen Menschen und allen anderen, die vom Gefängnissystem weltweit ins Visier genommen werden.

Die sechste jährliche Woche der Solidarität mit anarchistischen Gefangenen ist eine der vielen Möglichkeiten, all die verschiedenen Kämpfe zu verbinden, um ein Beispiel zu geben, wie langfristige koordinierte Anti-Repressions-Arbeit aussehen könnte. Das Startdatum der Woche ist der Jahrestag der Hinrichtung von Sacco und Vanzetti, zwei italienisch-amerikanischen Anarchisten, im Jahre 1927. Es gab nur sehr wenige Beweise von Seiten des Staates und so wurden die beiden für ihre starke anarchistische Überzeugung hingerichtet.

Anarchist*innen sind nicht immer die Hauptziele des Staates, oftmals werden Menschen mit afrikanischer Herkunft, Migrant*innen, Muslime, und andere ethnische Gruppen Opfer der kolonialen Gewalt. Nichtsdestotrotz sind wir fast immer auf der Liste der Ziele, da unsere Werte und Handlungen die Vorherrschaft des Staates bedrohen. Gefängnis ist der Kleber, der Kapitalismus, Patriachat und Rassismus zusammenhält. Wenn wir uns für eine Gesellschaft einsetzen, die auf Kooperation, gegenseitiger Hilfe, Freiheit und Gleichheit basiert, geraten wir unweigerlich in Konflikt mit der Polizei und dem Gefängnissystem. Lasst uns eine breite Bewegung dagegen aufbauen!

Solange es Gefängnisse gibt, werden die mutigsten, sensibelsten und wunderbarsten unter uns dort landen, und die mutigsten, sensibelsten und wunderbarsten Teile vom Rest von uns werden unerreichbar für uns sein. Jede*r von uns kann zum*zur Gefangenen werden. Keiner ist wirklich frei, bis nicht alle von uns frei sind.

[1] Frederick Douglass: ehemaliger Sklave, späterer Abolitionist und Schriftsteller und einer der einflussreichsten Aktivisten in der amerikanischen Geschichte

[2] Ed Mead: Mitglied der George Jackson Brigade und Männer gegen Sexismus, Langzeit-Häftling und Schwulenrechtler (gay liberationist)

Lissabon: Einladung zur Anarchistischen Buchmesse am 26., 27. und 28. Oktober

Angesichts der Tatsache, dass der Klimawandel uns den kühlsten Sommer der letzten dreißig Jahre beschert hat, werden wir aufgrund unserer ständigen und organischen Forderung, uns mit Leidenschaft zu entzünden und uns mit der Aufmüpfigkeit unserer täglichen Kämpfe aufzuwärmen, unsere Flamme in diesem Herbst entzünden! Und so kehrt die Anarchistische Buchmesse von Lissabon, am 26., 27. und 28. Oktober wieder in die wunderschönen Wälder von Penha de França zurück.

Wenn ihr mit euch mit eurem Verlag / Distro / Informationsstand  Verleger / Händler / Informationsraum beteiligen oder einfach einige auf Papier gedruckte Worte der Subversion  verbreiten möchtet, schreibt uns: feiranarquistadolivro@riseup.net
Bis bald!

Poster zur Operation “Scripta Manent”

Übersetzung erhalten am 14.8.2018

Furor Manet

September 2016: die Operation Scripta Manent, die von Staatsanwalt Sparanga aus Turin (IT) geleitet wird, führt zur Festnahme von 8 Gefährt*innen.

Die Hauptanklage lautet: “Bildung eines subversiven Bundes mit terroristischen Zwecken”. Darin eingebettet sind verschiedene Angriffe, alle unterzeichnet von FAI (Federazione Anarchica Informale) und FAI-FRI (Federazione Anarchica Informale Gronte Revoluzionario Internazionale).

Bis heute befinden sich von diesen 8 Personen, 5 im Gefängnis, eine in Hausarrest. Währenddessen wird im Bunkersaal (hochgesicherter Gerichtssaal, der sich im selben Gefängnis “Le Vallette” befindet) in Turin der Prozess mit Vollgas vorangetrieben.

Eine Unmenge von Polizisten unterschiedlichster Städte wechselt sich auf der Gerichts-Bühne ab. Zweck dieses Theaters ist es zu versuchen, die gegenwärtigen Geschichten der anarchistischen Bewegung zu rekonstruieren. Der Beginn liegt, wie schon tausend Mal gesehen, bei den Ereignissen des Gerichtsverfahrens Marini in den Neunzigerjahren.

Wie besessen und mit Nachdruck stürzen sich diese “Berufs-Spanner” auf einzelne Details und Augenblicke unserer Lebensräume, um auch die banalsten unserer Alltagssituationen, Beziehungen und Freundschaften in verfälschent Licht darzustellen.

Diese pathetische, mechanische und gradlienige Darstellung lässt uns gleichgültig.

Die Geschichte der anarchistischen Bewegung besteht aus individuellen Unterschieden, harten Auseinandersetzungen, nicht selten ohne vollgeladener Spannungen.

Und diese, spricht uns mit all unseren Widersprüchen und Grenzen an. Sie ist auch die Geschichte all jener, die heute auf Grund ihrer revolutionären Lebenspraxen in Turin auf der Anklagebank sitzen.

In diesem Moment – mehr als je zuvor – ist es wichtig, revolutionäre Lebenspraxen zu unterstützen. Konkret heißt das, der Repression entgegenzutreten, die unsere Gefährte*innen jahrelang im Gefängnis begraben möchte.

Kein Schritt zurück

Für die Anarchie

Madrid: Propaganda, Bücher und anarchistisches Material auf den Plätzen

Info erhalten am 7.7.18

-“TOMA LA CALLE”

Die Initiative “Toma La Calle- Nehmt euch die Straße” -verschiedene Stellen zur Verbreitung anarchistischer Propaganda in verschiedenen Vierteln Madrids- wird auch im Juli fortgesetzt: Vallekas, Tetuán, Carabanchel  und Moratalaz. Im August wird es eine Pause geben, im September geht es dann aber weiter.

Alle Samstag im Juli, ab 20.00 Uhr.

Carabanchel, 7. Juli, 20 Uhr, . Plaza de Oporto. <M> Oporto

Moratalaz 14. Juli, 20 Uhr,  Plaza del Encuentro. <M> Artilleros

Vallekas 21. Juli. 20 Uhr, Kreuzung von Esquina Monte Igueldo und Peña Gorbea. <M> Puente de Vallekas

Tetuán 28. Juli, 20 Uhr, Plaza de las Palomas. <M> Estrecho

Aus dem Aufruf zu dieser Aktionsreihe „Im Zeiter der Netzanbindung, wo dank des technischen Fortschritts alles zunehmend miteinander in Verbindung stehen muss, erkennen wir, dass die einzigen Dinge, die immer weniger miteinander verbunden sind, der Umgang und die Beziehungen miteinander sind, die sich auf der Straße ergeben.“

Santiago, Chile: Bericht über die Aktivität “Bis zur Totalen Befreiung: Erinnerung und Gegenkultur, 9 Jahre nach dem Tod in Aktion des Punki Mauri“

eingegangen am 27.5.2018

Am vergangenen 20. Mai, haben wir mit verschiedenenen Willigen eine neue Aktivität zur Erinnerung an Mauri, 9 Jahre nach seinem Tod in Aktion, durchgeführt. Wir sind zusammengekommen, damit die Erinnerung immer lebt, sich das latente Verlangen, die Ideen und das Gedenken an sich, sich verbreiten und kollektivieren.

Natürlich ist er kein Märtyrer, Held oder eine Figur der Bewunderung, sondern eher ein anarchistischer Gefährte, der in vielfacher Hinsicht (mit Erfolgen und Fehlern, wie jeder von uns) auf die Zerstörung aller Autorität abgezielt hat.

Wir begrüßen das Leben, das er sich zu leben traute und Jahr für Jahr stellen wir fest, wie seine Ideen und Überlegungen in diesem Zusammenhang niemals aufgehoben wurden, sondern sich mit uneingeschränkter Gültigkeit ausbreiten und  in verschiedenen Ländern, innerhalb Generationen, des Anti-Gefängnis-Umfelds und militanter Lebenswirklichkeiten, Wirkung erzielen.

Schon frühzeitig gab es auffällige Aktivitäten der Polizei rund um den Veranstaltungsort. Sobald die Veranstaltung begonnen hatte, wurde das durch mehre Streifen und Identitätskontrollen offensichtlicher. Mehrere Gefährt*innen wurden bereits bei ihrer Anreise in Gewahrsam genommen. Sie wurden aber wieder entlassen, so dass sie noch zur Aktivität kommen konnten. Ein Gefährte, der in Haft genommen wurde, ist erst am nächsten Tag frei gekommen… Wir grüßen ihn mit geschwisterlicher Zuneigung.

Diese polizeiliche Dynamik ist weder neu, noch überrascht sie oder verängstigt uns. Sie ist typisch für jede Aktivität, die an den Gefährten Mauricio Morales erinnnert. Ein konfrontatives Gedenken, das nicht vorgibt, zu beschönigen oder sich den ruhigen Gewässern einer passiven Opferrolle anzupassen. Im Gegenteil, der Punky Mauri bleibt herausfordernd und unwiederbringlich für die Macht.

Wir danken den Gefährt*innen, die sich mit Schreiben aus anderen Ländern und von der anderen Seite der Gefängnismauer, beteiligt haben. Es gab diejenigen, die aufgrund von eigenen Strafmaßnahmen, Zeit (…)nicht mit dabei sein konnten. Trotz aller Schwierigkeiten werden wir uns stets weiter bemühen, weil eine Mauer nur eine Mauer ist und zerstört werden kann. … Mit Freude grüßen wir auch die Gefährt*innen, die das Gefängnis verlassen haben und Teil der Aktivität wurden.

Wir schätzen die Unterstützung aller, die sich auf vielfältige Weise an der Informationsverbreitung über diesen Tag beteiligt haben.

Nach 9 Jahren ist nichts vorbei und alles geht weiter…
Mauricio Morales ist gegenwärtig!!!
Bis die letzte Festung der Gefängnisgesellschaft zertört ist!!!

Kollektiv Sacco und Vanzetti
Mai 2018.

ZAD: Maxime hat bei der Verteidigung der ZAD seine Hand für immer verloren

Info am 25.5.18 auf französisch erhalten

Am Dienstag den 22. Mai hat Maxime bei der Verteidigung der ZAD von Notre-Dame-des-Landes seine rechte Hand verloren. Er war auf der Flucht vor einem Angriff der Polizei, nicht weit vom zerstörten Weiler „De La Chateigne“. Diese Verstümmelung erfolgte im Zusammenhang mit einer militärischen Operation, die mittlerweile schon anderthalb Monate andauert. Bereits seit dem 9. April, setzt die Polizei täglich diese, in ihrem Fachjargon, als GLI-F4 bezeichnete Waffe ein. Sie enthält 25 Gramm TNT. Überall sehen wir die schwarzen Einschlagskrater, die sie im Boden des Bocage verursacht hat. Es war offensichtlich, dass sie zu Verwundungen und Schwerverletzten führt. Innerhalb weniger Wochen haben dutzende Personen Splitter in ihrer Haut gespürt. (Siehe auch Bericht vom Medizinischen Team / Sanitäter*innen der ZAD vom 29. April)

Heute ist es eine Hand, die abgerissen wurde.

Bilbao: Anarchistische Buchmesse am 19. und 20. Mai

erhalten am 13.5.18

Die XIV. Anarchistische Buchmesse findet  auf dem Plaza 25 de Noviembre vor dem FEVE Bahnhof / Calle Bailén statt. Beginn ist an beiden Tagen um 10:30, Ende ist am Samstag um 20 Uhr und am Sonntag bereits um um 15:00 Uhr.

Samstag wird auf der Messe das Buch : “Del sexilio al matrimonio. Ciudadanía sexual en la era del consumo liberal“, ein Werk von Norrma Mogroviejo vorgestellt, das Sexualität, Kapitalismus und Lesbismus analysiert. Am Nachmittag gibt es dort einen Vortrag der Mujeres Libres und am Samstag die Präsentation des feministischen Fanzines „AsesinoE von Araceli Pulpillo.
Am Sonntag geht die Messe nur bis 15 Uhr. Am Mittag wird Ahoztar Zelaieta sein Buch “”Euzkadi S.A.: El gen corrupto del PNV” vorstellen, das sich mit der vorherrschenden Korruption in Verantwortung der Regierungspartei des Baskenlandes befasst.

Berlin: Kalabal!k, Anarchistische Bibliothek Berlin

Die anarchistische Bibliothek Kalabal!k ist ein Ort, um sich zusammenzutun, sich auszutauschen und zu diskutieren. Mit einer kleinen Auswahl an Büchern und Zeitschriften zum Ausleihen, Drucken und Vervielfältigen, wollen wir unsere Analysen schärfen und die Möglichkeit für selbstorganisierte Kämpfe eröffnen.

Wir verstehen unser Projekt als Werkzeug um anarchistische Ideen zu verbreiten und die herrschende soziale Ordnung, die uns umgibt, anzugreifen. Als Teil einer antagonistischen Infrastruktur im Kiez, wollen wir auch ein Ort des Widerstandes gegen die rasante Aufwertung und Verdrängung in unserer Nachbarschaft sein.

Neben regelmäßigen Öffnungszeiten, finden in unseren Räumen verschiedene Veranstaltungen, Diskussionen und Filmvorführungen statt, die ihr in unserem monatlich erscheinenden Programm finden könnt. Ihr seid herzlich eingeladen uns zu besuchen, Bücher auszuleihen, an Diskussionen teilzunehmen oder einfach auf einen Kaffee vorbeizuschauen.

Reichenbergerstraße 63a, Berlin-Kreuzberg

Öffnungszeiten:

Freitags 14 – 20 Uhr
Sonntags 15 – 19 Uhr

 kalabalik.blackblogs.org

Berlin: Über die Razzien in der Anarchistischen Bibliothek Kalabal!k und bei vier Privatwohnungen

erhalten am 9.5.18

Kurz vor dem Start der Diskussions- und Chaostage, die ab morgen in Berlin stattfinden werden, haben die Bullen heute früh schon mal vorgelegt, als gäbe es nicht schon genug Gründe auf die herrschenden Verhältnisse wütend zu sein.

Heute Morgen gegen 5:15 Uhr sind die Bullen mit einem beachtlichen Aufgebot in der Reichenbergerstrasse in Berlin Kreuzberg vorgefahren und haben sich mit der Flex Zugang zu der Anarchistischen Bibliothek Kalabal!k verschafft, weiter wurden eine Wohnung im selben Haus und drei weitere in Neukölln und Tempelhof aufgebrochen. Dabei wurden zwei Personen fest genommen und in die Gesa nach Tempelhof verschleppt. Dort wurden beide einer ED-Behandlung unterzogen und eine Person zur Abgabe der DNA genötigt.

Offizieller Vorwand für die Razzien bei den Privatwohnungen war laut richterlichem Beschluss das Plakatieren eines Fahndungsaufrufs unter dem Titel „Terroristen gesucht“. Dieses zeigt die Fressen von Scholz, Dudde und Grote, den Verantwortlichen des G20-Gipfels letzten Sommer in Hamburg, sowie ihrer Schlägertruppen von der Bereitschaftspolizei. Beim
Kalabal!k ging es primär um das Anbringen eines Outingplakates an der Tür, auf dem einige PMS`ler vom Staatsschutz abgebildet sind.

In der Bibliothek wurden Laptops, Computer und Festplatten, sowie einige Exemplare der beiden oben genannten Plakate sowie ein Nazi-Outingplakat geklaut, ansonsten hielt sich die Unordnung einigermaßen in Grenzen. Bei den Privatwohnungen sind die Bullen wesentlich rabiater vorgegangen. Siehatten offensichtlich Vergnügen daran größtmögliches Chaos zu
hinterlassen.

Mit Blick auf die kommenden Tage sehen wir das als eine Einladung, dieses Chaos an den Absender zurückzuschicken und ihren Frieden zu stören. Eine Möglichkeit dazu, bietet die Demo für anarchistische Gefangene am Samstag 18 Uhr am Herrfurtplatz in Neukölln.

Aus dem Aufruf: „Wir werden nicht mit dem Staat, den wir ablehnen und zerstören wollen, verhandeln. Vor allem nicht, wenn wir unsere Solidarität mit denen zeigen, die eben dieser Staat hinter Gittern und hohen Mauern von uns isoliert.“

Euer Kalabal!k

kalabalik.blackblogs.org

ZAD: Zur aktuellen Entwicklung

erhalten am 13.4.18

Seit dem Morgen (6:30) wurden sehr wichtige Gerätschaften der Polizei zu verschiedene Stellen verlegt.(..), wie z.B. an der D81 von La Rolandière nach La Saulce, bis zur Wardine, Fosses Noires et Lama Fâché und zu verschiedenen anderen Orten und Straßen. Sie haben zumindest die Wardine, La Grée umzingelt und versucht, die Räumlichkeiten zu betreten. (Während der heutigen Polizeiaktion sind bisher drei Personen in Gewahrsam genommen worden) Die Präfektur hat erklärt, dass der Zweck dieser Operation wäre, Verhaftungen durchzuführen.  Nachdem letzte Nacht endlich das Ende der Räumungen verkündet wurde, will die Regierung jetzt Rache an denen nehmen, die die ZAD verteidigt und Widerstand geleistet haben, um die Orte des Lebens zu retten.

Überblick über die Repression gegen Anarchist*innen in Russland im Jahre 2017 und Anfang 2018

erhalten am 02.03.18

Das Moskauer Anarchist Black Cross veröffentlichte die folgende Zusammenfassung der Repression gegen Anarchist*innen durch den russischen Staat in 2017 und Anfang 2018. Während dieser Phase setzten die staatlichen Behörden die Verdächtigungen und Verfolgung der russsichen Gefährt*innen fort.

St. Petersburg und Penza

Im Oktober 2017 hat der russische Geheimdienst (FSB) einen großangelegten Kriminalfall gegen Anarchist*innen und Antifaschist*innen konstruiert, indem er die Mitgliedschaft in der terroristischen Organisation „Das Netzwerk“ verkündete. Die russischen Autoritäten behaupteten, dass die Beschuldigten terroristische Aktionen geplant und vorbereitet haben, um sie während der kommenden Präsidentschafts-Wahlen im März 2018 und der kommenden Weltmeisterschaft jumzusetzen.

In Penza wurden Jegor Zorin, Ilia Shakursky, Vasili Kuksov, Dmitri Pchelintsev, Arman Saginbaev and Andrei Chernov verhaftet. In St. Petersburg verhafteten die Bullen Victor Filinkov und Igor Shishkin. Ilia Kapustin ist zurzeit ein Zeuge. Die Angehörigen der Verhafteten berichteten, dass ihre Liebsten gefoltert wurden, um Geständnisse von ihnen zu erzwingen. Alle Verhafteten in diesem Fall befinden sich in einer schwierigen Situation, mit der Gefahr der Wiederholung von Folter und benötigen unbedingt eure Unterstützung und eure Solidarität. Ihr könnt ihnen eine Geldspende über Pay Pal (abc-msk@riseup.net) zukommen lassen. Die Verhafteten würden sich auch sehr über Briefe freuen. Hier sind ihre Adressen:

St. Petersburg:

191123, St. Petersburg, Shpalernaya St., 25 PKU SIZO-3 of the Federal Penitentiary Service of Russia

Shishkin Igor Dmitrievich
Filinkov Victor Sergeevich

In Penza:

PKU SIZO-1, st. Karakozova, 30, Penza, Penza region, Russia, 440039

Shakursky Ilya Alexandrovich

Pchelintsev Dmitry Dmitrievich

Chernov Andrey Sergeevich

Sagynbaev Arman Dauletovich

Moskau

Den beiden Aktivist*innen Elena Gorban and Alexei Kobaidzei werden Sachbeschädigung des Parteibüros von Putin‘s Vereinigtes Russland vorgeworfen. Sie sind beschuldigt worden, nachdem Ende Januar 2018 unbekannte Aktivist*innen aus Protest gegen die kommenden Präsidentschafts-Wahlen die Fenster eine der Niederlassungen der Partei Vereinigtes Russland zerstörten und ein Feuer hinein warfen.

Ganz gleich wer Präsident wird; ihre Politik ist immer die Unterdrückung und Ausbeutung einfacher arbeitender Leute. Wir als Anarchist*innen, bieten Selbstverwaltung und direkte Demokratie im Austausch mit Präsident*innen und anderer staatlicher Institutionen. Beteiligt euch an unserem Kampf“ – sagten die für diese Aktion verantwortlichen Menschen in ihrer Stellungnahme.

Die Polizei fiel am 13. Februar in die Wohnungen ein, wo Gorban und Kobaidze lebten. Nach den Verhören wurden die Aktivist*innen auf Kaution frei gelassen und sind jetzt auf der Flucht.

Cheliabinsk: Strafverfahren für Transparent gegen den FSB

In Cheliabinsk, wurden nach einer Aktion in der Nähe des lokalen Büros des FSB fünf Aktivist*innen verhaftet. Unbekannte Personen hingen ein Transparent auf, das besagte: „FSB der Hauptterrorist“ und warfen eine Rauchbombe über den Zaun des FSB Geländes. Diese Aktion wurde als Unterstützung für die in Penza verhafteten AnarchistInnen durchgeführt.

Die Aktivist*innen, die bevorzugen, dass ihre Namen nicht veröffentlicht werden, berichteten, dass die FSB Beamten sie mit einem Elektroschock-Gerät folterten und forderten ihr Geständnis, dass sie es waren, die das Transparent aufgehängt haben. Sie wurden schließlich auf Kaution freigelassen, aber mit der Auflage, dass sie weder das Land verlassen, noch ihre Adresse ändern dürfen. Ihr könnt sie bei den Rechtskosten unterstützen, indem ihr Geld auf das Konto des ABC überweist.

Krim: Eugen Karakashev für „Rechtfertigung von Terrorismus“ verhaftet

Im Februar 2018, hat das FSB der Krim den Anarchisten Eugen Karakashev verhaftet. Er wird beschuldigt „zu Hass aufgerufen“ und „Terrorismus gerechtfertigt“ zu haben oder in anderen Worten, indem er ein Video auf der Sozialen Mediaseite VKontakte gestellt hat. Gegenwärtig befindet er sich im Gefängnis.

Eugen ist seit einiger Zeit aktiv. Vor seiner Verhaftung hat er an einer Kundgebung vor dem FSB Gebäude in der Stadt Simferopol auf der Krim teilgenommen und im November 2016, zusammen mit gleichgesinnten Leuten geplant, einen Streikposten in der Nähe des Innenministeriums „ gegen die Polizeiwillkür“ auf der Krim durchzuführen. Dieses wurden von der Polizei jedoch verboten.

Staatliche Verfolgungen von Anarchist*innen

Im Januar 2017 fanden zum Jahrestag der politischen Ermordung des Rechtsanwaltes Stanislav Markelov und der Journalistin Anastasia Baburova im Land Gedenkveranstaltungen statt, die die Bullen verhindern wollten. AnarchistInnen wurden in Moskau, Petersburg, Murmansk und Sevastopol verhaftet. Die Polizei führte bei den diesjährigen Aktionen zum Gedächtnis an Markelov und Baburova mehr Verhaftungen durch, als in den Vorjahren.

Am 23. Februar wurden auf dem linken „Deserteur*innen-Fest“ im Süd-Osten Moskaus, dutzende Leute in Gewahrsam genommen. Das Festival richtete sich gegen die Wehrpflicht. Die Polizei bewertete diesen Grund, ungerechtfertigt, als allzu radikal. 2018 fand das Festival nicht statt, weil die Bullen es im Vorfeld verboten haben.

In Irkutsk fanden im April 2017 Durchsuchungen unter Beteiligung des SOBR (Spezialeingreiftruppe) und dem Zentrum zur Bekämpfung des Terrorismus statt. Im Zusammenhang mit einem der Aktivist*innen – Dimitri Litvin – wurde unter dem Artikel 148 des Strafgesetzbuches (Religionsbeleidigung) ein Strafverfahren eingeleitet. Die restlichen Personen wurden in diesem Fall als Zeug*innen verhört. Die Verhafteten selbst waren sich sicher, dass der eigentliche Grund ein anderer ist: Örtliche Anarchist*innen sind der aktivste Teil des politischen Lebens der Stadt und haben wiederholt soziale Proteste verschärft.

Im November 2017, wenn russische Antifaschist*innen traditionell Timur Kacharava gedenken (ein Musiker und Antifaschist, der von Neo-Nazis ermordet wurde), sprengte die Polizei die Veranstaltung, infolge wurde eine Person verhaftet.

Verfolgung russischer Aktivist*innen im Ausland

Im April 2017 wurde der Anarchist Alexei Polikhovich nach zwölf Tagen Haft aus Weißrussland deportiert. Grund war seine Teilnahme an einer Demonstration, gegen neue Steuern,in Minsk verhaftet. Im Sommer stürmte die Bereitschaftspolizei die Lesung von Alexei Sutugi. Das Thema der Lesung war, wie aus dem Gefängnis heraus Widerstand gegen den Staat geleistet werden kann. Fast alle Anwesenden wurden bis zum Abend in Gewahrsam genommen. Am 12. Oktober entschied ein örtliches Gericht, dass die bei der Lesung konfiszierten Materialien extremistisch waren.

Im Oktober 2017 unterbrach die Bereitschaftspolizei in der weißrussischen Stadt Grodno eines Lesung des Philosophen Piotr Riabov, einen mit anarchistischen Vereinigungen sympathisierender Professor der Philosophie an der staatlichen Moskauer Pädagogischen Universität. Er hat sich auf die Geschichte Anarchistischen Denkens spezialisiert. Nach der Vorlesung „Informelle Bewegung von Weißrussland, in den Jahren 1991-2010” in Baranovichi, war Riabov sechs Tage in Haft, wegen „Verteilung extremistischer Materialien“ Danach hat die Einwanderungsbehörde der örtlichen Miliz entschieden, Riabov zu deportieren und ihm für zehn Jahre zu verbieten, das Land erneut zu betreten. In Moskau gab es vor der Botschaft von Weißrussland eine Reihe von Streikposten, um gegen die Verhaftung von Piotr Riabov zu protestieren.

Der Staat überschätzt meinen Beitrag für revolutionäre Propaganda: mehrere meiner Lesungen würden weniger Hype ausgelöst haben, als ihr Verbot. Ich glaube, dass die ganze Sache im Begriff „Anarchismus“ liegt. Die Behörden erinnern an die Tatsache, dass die Anarchist*innen für den Brandanschlag auf die russische Botschaft im Jahre 2010 verurteilt wurden und dass die Anarchist*innen in vielen Fällen die Iniative bei den Massenprotesten  gegen das Gesetz zu „Parasitentum“ übernahmen“, sagte Riabov in einem Interview nach seiner Freilassung.

2017 waren die Anarchist*innen von Weißrussland die aktivste Kraft bei Protesten gegen die Steuer auf Parasitentum, welche der weißrussische Staat für die Arbeitslosen einführen wollte

Nachrichten aus dem Gefängnis

Der Anarchist Alexander Kolchenko aus der Krim feierte im Gefängnis seinen 28. Geburtstag – wo er, trotz des letzten Gefangenenaustausches zwischen der Ukraine und Russland, immer noch einsitzt. An seinem Geburtstag führten Anarchist*innen aus der Ukraine, der Tschechischen Republik und Polen, aus Solidarität mit ihm, Aktionen an Flughäfen durch.

Kolchenko wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt wegen des Falles sogenannter „Terrorist*innen aus der Krim“. Er hat an Aktionen gegen den Eintritt russischer Truppen auf der Halbinsel teilgenommen, speziell die Brandstiftung  am Bürod der Partei „Vereinigtes Russland“ sowie dem Büro der nationalistischen russischen Gemeinde der Krim. Im November wurde beim Strafgefangenen „Gewichtsabnahme“ diagnostiziert. Gleichzeitig verweigerte es das FSIN ihm, in Abwesenheit, an der Universität der Ukraine studieren zu lassen.

Ihr könnt Alexander Kolchenko einen Brief an die folgende Adresse schicken: 456612, Chelyabinsk Region, Kopeysk, ul. Kemerovskaya, 20, IK-6, detachment 4, Kolchenko Alexander Aleksandrovich.

In Mordovia, verbüßt der Anarchist Ilja Romanov weiterhin seine Strafe für Terrorismus: ein Urteil, dass er erhielt, nachdem er im Oktober 2013 durch Feuerwerk verletzt wurde. Aufgrund des Unfalls hat Romanov seine Hand verloren. Er wurde wegen Terrorismus zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

In April berücksichtigte das ECHR eine der Beschwerden von Romanov and gewährte ihm 3.400 Euro als Entschädigung für unverhältnismäßig lange Haft während der Ermittlungen. Jedoch ist es unklar, wie der Gefangene sein Geld erhalten kann. All seine Konten werden vom Staat blockiert. Die betagten Verwandten von Romano, die auf der Post versucht haben, Ilja das Geld zu überweisen, wurden durch die Polizei in Gewahrsam genommen. Im Mai wurde Romanov in Einzelhaft genommen, seit Juli ist ein weiterer Fall von Terrorismus gegen ihn anhängig.

lja Romanov ist inhaftiert in IK-22 Mordovia, die Adresse: 431130, Mordovia, Zubovo-Poliansky district, st. Potma, n. Lepley. Schreibt ihm Briefe, für die er wirklich dankbar sein wird.

Endlich frei

Im Mai 2017 wurde der Anarchist Alexei Sutuga aus dem Gefängnis entlassen. Im September 2014 wurde Sutuga, bekannt durch seinen Spitznamen Sokrates, zu drei Jahren und einem Monat verurteilt, nachdem er angeblich an einem Kampf in einem Café teilgenommen haben soll. Der Antifaschist selbst hat keine Schuld eingestanden. Er sagt, dass er den Kampf beenden wollte, aber niemanden geschlagen hätte. Die Opfer in diesem Fall waren russische Neo-Nazis.

Im Oktober 2017 ist der Antifaschist Igor Alekseev verschwunden, bevor er aufgrund „öffentlichem Aufruf zu extremistischen Aktivitäten“ aufgrund der Veröffentlichung eines YouTube Videos auf seinem Sozialen Medienprofil belangt werden konnte. Zu Zeit ist er an einem unbekannten Ort in Sicherheit Laut Igor, hat er sich entschieden sich vor dem russischen Justizapparat zu verstecken, weil er sich davor fürchtet, zu einer Haftstrafe verurteilt zu werden.

Anfang November 2017 entkam der Historiker und Anarchist Dimitr Buchenkov aus seinem Hausarrest und ist zur Zeit in einem unbekannten europäischen Land. Seine Flucht war möglich, weil er, aufgrund Ressourcenmangels, nicht mit elektronischen Fesseln ausgerüstet war. Laut der Ermittlungen hat Buchenkov angeblich einen Polizisten angegriffen. Er wurde verurteilt, obwohl es eindeutige Beweise dafür gibt, dass er am Tattag nicht einmal anwesend gewesen ist. In einer anderen Stadt hat er seine Familie besucht. Vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte wurde, gegen seine Verhaftung und politisch motivierte Verurteilung, Klage gestellt.

Dieser Überblick wurde durch das Team von ABC Moskau erstellt. Es ist keine vollständige Liste der strafrechtlichen Verfolgung von Anarchist*innen durch den russischen Staat – auf Bitte einiger Gefährt*innen, wurde nicht auf alles Pech von Anarchist*innen in der nach-sowjetischen Zeit eingegangen.

Falls ihr helfen wollt, könnt ihr Geld an ABC Moskau überweisen. Paypal: abc-msk@riseup.net

Quelle: Avtonom

auf portugiesisch

Dringender Aufruf die Solidaritätskampagne für die unterdrückten russischen Anarchist*innen fortzusetzen

erhalten am 17.2.18

Weitere Verhaftungen: Auf der Krim verhaftete der Geheimdienst den lokalen Anarchisten und Sozialen Aktivisten Eugen Karakaschew (02/02). In Moskau wurde die Anarchistin Elena Gorban verhaftet (13/02). Am selben Tag wurde der Anarchist Alexei Kobaidze inhaftiert. Wir rufen alle dazu auf, die Solidaritäts-Kampagne fortzusetzen.

Russland
Russland
Toronto, Kanada
USA

Vom 5. bis 12. Februar hat eine internationale Woche der Solidarität mit russischen Anarchist*innen stattgefunden. An 21 Aktionen gegen Repression beteiligten sich 21 russische Städte und eine große Anzahl ausländischer Gefährt*innen von Weißrussland bis zur USA und Kanada.

Informationsmaterialien, Flugblätter wurden verteilt, Graffiti und Stencils gesprüht sowie Transparente aufgehängt, die über Repression gegen Anarchist*innen informierten. Aktionen fanden in Kaliningrad, Altai, Kursk, Nowosibirsk, Samara, Kemerowo, Astrachan, Wolgograd, Rostow am Don, Ischewsk, Pensa, St. Petersburg, Moskau, Nachodka, Tscheljabinsk und Workuta statt.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=9&v=ojnsVCQx3wA

Mahnwachen, die über der den Terror des FSB gegen Anarchist*innnen informierten, fanden in Jekaterinburg, Kandalakscha, Tomsk, Sotschi, Moskau, St.Petersburg, und Saratow statt.

In Samara wurde ein Solidaritätsabend organisiert. Besucher*innen wurde über Repressionen gegen Anarchist*innen und über die Grundregeln der Konspiration informiert. Danach wurde der Film “Sacco und Vanzetti” gezeigt, deren Geschichte die ganze Unmenschlichkeit und Nutzlosigkeit des staatlichen Systems aufzeigt und die Methoden, derer es sich bis heute bedient, um jeglichen Protest zu unterdrücken. In Moskau fand auch eine ungenehmigte Demonstration gegen die Gesetzwidrigkeit des FSB statt. Mehrere dutzend Leute blockierten die Myasnitskaya – eine der zentralen Straßen, neben der Lubjanka, wo sich die Hauptabteilung des FSB befindet. Sie zogen dort mit dem Transparent “FSB ist der hauptsächliche Terrorist“ vorbei.

Auch in anderen Ländern fanden Solidaritätsaktionen statt. In Weißrussland verteilten Anarchist*innen Flugblätter, die über die Verfolgung russischer Anarchist*innen informierten. In Lutzk, Ukraine, gab es auch Grafitti aus Solidarität mit russischen Anarchist*innen. Solidaritätsaktionen fanden in Warschau, Danzig (Polen) und Prag (Tschechische Republik) statt.

In Prag gab es auch ein Solidaritätskonzert für unterdrückte russische Anarchist*Innen. Beim Konzert wurde über die Repressionen in Russland informiert und es wurde Geld für das Anarchist Black Cross gesammelt, das politische Gefangene unterstützt. Auch in Estland wurde bei Konzerten der Musikgruppen Ognemöt, Adrestia und Prophets V in Tallin und Tartu Geldsammlungen durchgeführt.

Außerdem fand in Budapest, Ungarn, eine Veranstaltung zur Information über Repressionen in Russland und Spendenaktionen statt.

In Frankreich wurde zu einem Solidaritätsessen geladen, dessen Erlöse für die Unterstützung der russischen Anarchist*innen genutzt wurden.

Auch in den USA fanden viele Solidaritätsveranstaltungen statt, wie in Minneapolis, wo es einen Solidaritätsabend gab, in Brooklyn wurde ein Film gezeigt. Ein antifaschistischer Online-Shop aus Portland verbreitet Informationen über die Repression und sammelte Geld für die unterdrückten Anarchist*innen. In Kensas wurde zu einer Demo aufgerufen, um die russischen AnarchistInnen zu unterstützen. In New York fand vor der russischen Botschaft eine Kundgebung statt. Auch Vertreter*Innen der revolutionären Bewegung der Abolitionist*innen aus New York drückten ihre Solidarität aus.

Eine weiter Solidaritäts-Aktion gab es in Toronto (Kanada). Anarchist*innen führten auf dem belebtesten Platz in der Innenstadt eine Mahnwache durch, um Passant*Innen über die Repression in Russland zu informieren.

Die Woche der Solidarität wurde aus Solidarität mit russischen Anarchist*innen durchgeführt, die von Repression durch den FSB betroffen sind. Im Herbst 2017 verhaftete der FSB sechs Anarchist*innen aus Penza. Der Grund für die Verhaftungen war, dass alle sechs mit Airsoft spielten, was vom Geheimdienst als Training zum Umsturz der staatlichen Macht angesehen wurde. Den Gefangenen wurden Waffen zugeschoben, sie wurden beschuldigt eine terroristische Vereinigung zu organisieren. Für Monate wurden die Inhaftierten gefoltert und geschlagen, bis sie einwilligten sich gegenseitig zu verleumden. Sie wurden mit dem Kopf nach unten aufgehängt, geschlagen, mit Elektroschockern gefoltert.

Im Januar 2018 begannen in St. Petersburg Entführungen von Anarchist*innen.  Zwei Verdächtige und ein Zeuge wurden gefasst, alle wurden gefoltert. Einer der Häftlinge wurde zu diesem Zweck in einem Wald in der Nähe der Stadt gebracht. Ein weiterer wurde für mehr als einen Tag gefoltert. Nur offiziell dauerte das Verhör einen Tag – von drei Uhr am Morgen bis drei Uhr am Morgen. Obwohl einer der Verdächtigen und der Zeuge eine Stellungnahme über die Folter abgaben, wurden ihre Aussage nicht durch staatliche Autoritäten überprüft.

Das FSB kündigt Pläne für weitere Verhaftungen im Zusammenhang mit dem erfundenen Fall einer terroristischen Gruppe von zwei dutzend Anarchist*innen in Moskau, St. Petersburg, Penza und Weißrussland an.

Auf der Krim hat der Geheimdienst den lokalen Anarchisten und sozialen Aktivisten Eugen Karakashew festgenommen. Der Grund dafür ist seine Beteiligung von Eugen an sozialen Kämpfen der Bewohner*innen der Halbinsel an. Am Tag der Verhaftung hat sich der Bürgermeister von Eupatoria mit Protestierenden gegen Point-buildung getroffen und Hinweise auf mögliche Verhaftungen gegeben. Der Grund der Verhaftung war die Korrespondenz von Eugen innerhalb eínes Gruppen-Chats im „Sozialen Netz“

Unmittelbar nach dem Ende der Solidaritäts-Aktionen wurde die Anarchistin Elena Gorban verhaftet. Unter Missachtung aller Normen wurde ihr für mehrere Stunden kein Rechtsbeistand gewährt, bis sie zustimmte, sich für den Angriff auf das Büro der regierenden russischen Partei „Vereinigtes Russland“ schuldig zu bekennen. Am selben Tag wurde der Anarchist Alexei
Kobaidze im selben Zusammenhang verhaftet. Der eigentliche Grund, war eine nicht genehmigte Demonstration in Moskau gegen den FSB Terror. Am frühen Morgen, bevor diese Information über die Verhaftungen von AnarchistInnen in den Medien und im Internet erschien, veröffentlichten die regierungsnahen Kanäle ein Video der Verhaftung und eine Meldung, dass Anarchist*innen, die an der Demo teilgenommen haben, in Moskau verhaftet wurden. Die Ermittler*innen, die Elena verhörten, befragten sie auch zur Demonstration, obwohl den Verhafteten der Angriff auf Untited Russia vorgeworfen wurde und nicht die Teilnahme an der Demonstration.

Nach diesen neuen Verhaftung wurden die Solidaritätsaktionen fortgesetzt. In Tscheljabinsk hängten Anarchist*innen ein Transparent neben dem FSB Gebäude auf und warfen eine Rauchbombe auf ihr Gelände. Und in einem Außenbezirk von Moskau wurde eine Kundgebung durchgeführt, ebenfalls aus Solidarität mit den unterdrückten Anarchist*innen.

Wir rufen alle dazu auf, die Solidaritätskampagne fortzusetzen.

Weitere Fotos und Videos: naroborona.info

auf englisch  / auf portugiesisch

 

 

Anonym: Smarter Shit

erhalten am 2.2.2018 Quelle: Anarchistische Bibliothek

Die Smart City, die „intelligente” Stadt entsteht – in Berlin und an vielen weiteren Orten, weltweit. Was bedeutet Smart City eigentlich, wer treibt diese Entwicklungen voran, wem nützen sie und was könnten die Folgen sein? Wo finden sich Konfliktfelder und Angriffspunkte?

Smart City – was ist das Eigentlich?

Der Begriff Smart City ist seit Ende der 90er Jahre im Umlauf, wobei es keine klare Definition davon gibt, was das eigentlich bedeuten soll.

Eindeutig ist jedoch, dass der Begriff, die Leitbilder und Projekte der Smart City, von Staaten und Firmen gemeinsam entwickelt wurden und werden. Zur Smart City gehören verschiedenste Angriffe der Herrschenden, z.B. zentralistisch geplante Großprojekte wie die Planstadt New Songdo City in Südkorea, die als vernetzte Stadt, vollgestopft mit Sensoren, eine Vorreiterrolle einnehmen soll. Andererseits werden teilweise auch „Basisprojekte”, also z.B. computerbasierte Projekte zur E-Beteiligung (das E– bedeutet Elektronisch) an Entscheidungsfindungen bestens in diese smarten Konzepte integriert oder sogar als Teil davon entwickelt.

Manche Firmen arbeiten gar an Visionen eines Smarter Planet, also eines allumfassend vernetzten und kontrollierten Planeten und damit auch dessen Bewohner*innen.

Die Akteure bei dieser Neuorganisierung der herrschenden Strukturen sind natürlich diese selbst und umfassen damit eine enorme Bandbreite. Unternehmen wie beispielsweise SAP, Siemens, Bosch, IBM, Oracle oder google sind Hauptakteure. NGOs, verschiedenste staatliche Stellen unterschiedlicher Länder, aber auch die EU und die Vereinten Nationen arbeiten gemeinsam an diesem absoluten Kontrollwahn.

Schöne neue Welt

Mit vielfältigen Versprechen wollen die Herrschenden der Bevölkerung die totale Kontrolle schmackhaft machen. So soll die Smart City Nachhaltigkeit fördern und die Lösung ökologischer Probleme bringen, Probleme, die genau diese Leute und Strukturen mit deren Technologien selbst entwickelt und verbreitet haben.

Auch sollen diverse Technologien angeblich die soziale und kulturelle Entwicklung fördern: die Kultur der Vermarktung und Verblödung.

Ein gern benutztes Argument ist außerdem die Sicherheit, was bekanntlich auch die Sicherheit derjenigen meint, die privilegiert sind, die mehr besitzen als andere, was die Sicherheit zum Fortbestand von Systemen der Ausbeutung und Kontrolle meint. Eine Sicherheit der vorgegebenen Welt – ohne Abweichungen.

Dafür wird aber einiges bequemer. Viele Versprechen werden als „Gewinn” wahrgenommen, da sie Bequemlichkeit und Faulheit fördern. Digitale Prothesen sollen das Leben erleichtern, die damit einhergehenden Abhängigkeiten und Verkümmerungen bleiben unerwähnt.

Als Ausgleich wird mit immer mehr Mitbestimmung geworben, was durch E-Partizipation möglich gemacht werden soll. Also kontrollierte Stimmabgabe im vorgegebenen Rahmen, mehr Mitbestimmung, aber nur dort, wo es den Kontrollierenden passt.

Außerdem soll der massive Ausbau neuer Technologien die Effizienz und Produktivität erhöhen. Wer davon profitieren wird, ist auch heute schon klar ersichtlich – diejenigen, die die Produktionsmittel, Netzwerkströme und Arbeitskräfte bestimmen.

Und somit wird schließlich auch mit wirtschaftlichem Aufschwung geworben. Die Industrie sieht einen riesigen, in diesem Ausmaß lange nicht dagewesenen neuen Absatzmarkt.

In einer Smart City werden Stadt und Mensch als eine Maschine gesehen. Der Mensch funktioniert, als Teil des Ganzen, der Stadt, und ist kein autonomes Wesen. Damit dies möglich wird, soll ein Internet der Dinge aufgebaut werden. Gegenstände, Informations- und Kommunikationstechnologien und Körper müssen entsprechend ausgerüstet und vernetzt werden. Eine totale Reorganisation des Lebens in allen möglichen Bereichen ist Teil dieser Ideen. Sicherheitsmanagement, gesteigerte Effizienz und Leistung des Staates und seiner Institutionen, Steigerung der Energie- und Ressourceneffizienz und ein umfassendes Internet der Dinge sind Kernelemente dieses Angriffs.

Deine Reorganisierung

Die Mittel zur Durchsetzung dieser Reorganisierung sind vielfältig, sie reichen in alle Lebensbereiche hinein. So wird eine durchdringende Datenerhebung in Echtzeit, sowie eine systematische Prozessbeobachtung anvisiert, was bedeutet, dass möglichst viele Veränderungen in allen Bereichen mitgeschnitten und live ausgewertet werden können. Und zwar durch in Objekte eingebettete Sensoren und Rechner, die sich über das Internet miteinander verbinden, kommunizieren und Informationen übertragen. Sensoren im Asphalt und in Fahrzeugen, kombiniert mit Informationen der Smartphones der Verkehrsteilnehmenden, sollen eine bessere Verkehrskontrolle ermöglichen. Ein*e Bürger*in wird als Sensorknoten gesehen und benutzt, die E-Partizipation im Spiel der Herrschenden ist die Fata Morgana der um jegliche Selbstbestimmung Beraubten.

Die smarter Techniken soll die Industrie 4.0 entwickeln, durch die die Arbeitswelt einen massiven Wandel erleben wird. Vernetzte (Selbst-)Organisation der Produktion bedeutet eine Robotisierung, aber auch eine Spezialisierung der dann noch Arbeitenden.

Der umfassende Charakter der Eingriffe benötigt außerdem eine intelligente Verzahnung verschiedenster Aufgabenfelder, also Zugriffe und Verknüpfungen auf das Verhalten in den Bereichen Arbeit, Konsum, Gesundheit, Freizeit, Mobilität, jegliche Art von Dienstleistungen, etc.

Eine optimierte Gesundheitsversorgung soll unter anderem durch Selbstvermessung, Selbstregulierung und Selbstoptimierung erreicht werden. Statt eines Lebens, welches mehr Bewegung im Alltag z.B. durch Gartenarbeit beinhaltet, werden überall ausbeutbare Abhängigkeiten von Dienstleistungen erzeugt. Es gibt immer mehr Werkzeuge zur persönlichen Gesundheitsanalyse und immer mehr Fitnessstudios, denn gesunde Menschen sind einfach billiger. Um dich ausbeutbar zu machen, werden auch hier Probleme benutzt, die von der bestehenden Ordnung erzeugt wurden. Um sie mit neuen Problemen am Leben zu erhalten, aber aushaltbar zu machen.

Und wer manches nicht mehr aushält, sucht sich andere Wege, für die wiederum neue Formen der Kriminalitätskontrolle entworfen werden. Durch stärkere polizeiliche Überwachung, Datenerhebung und -zusammenführung, sowie Nutzung anderer neuer Technologien soll der Repressionsapparat ausgebaut werden. So wird im Berliner Strategiepapier für eine Smart City Berlin beispielsweise ganz konkret von der Auswertung von Satellitenbildern gesprochen.

Aber nicht nur bessere technische Ausrüstung spielt hier eine Rolle, sondern auch sich verändernde Sicherheits-, also Kontroll- und Repressionskonzepte. Billiger und einfacher zu kontrollieren als durch „die harte Hand”, durch Bestrafung, ist vorauseilender Gehorsam und Selbstzurichtung. Wobei auch viele Knäste zu Unternehmen werden, die profitabel sein können und es wohl immer auch Menschen geben wird, die aus den vorgegebenen Mustern ausbrechen oder trotz ausgefeilter Überwachung und Selbstkontrolle Gesetze brechen und weggesperrt werden.

Be smart, be Berlin

Ein konkretes Beispiel ist die Stadt Berlin, die sich anschickt eine smarte Stadt zu werden, um im internationalen Ausbeuterwettbewerb ganz vorne mitspielen zu können. Berlin soll „Standort für Zukunftsindustrien und -technologien werden” (Die Zitate dieses Abschnitts stammen aus dem Papier Smart City-Strategie Berlin von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt Berlin). Vieles in dem Strategiepapier der Stadt zur Smarterisierung bleibt vage und schwammig, eher soll Politik grundsätzlich in eine smartere Richtung gebracht werden.

Um die ehrgeizigen Vorhaben der massiven Ausweitung von Kontrolle und Technologisierung des Alltags durchzusetzen, soll die Bevölkerung dahingehend beeinflusst und überzeugt werden. Das alte Spiel der Politik von Manipulation und Zurichtung: „Es bedarf einer langfristigen, auf Glaubwürdigkeit ausgerichteten Kommunikationsstrategie, die der Bevölkerung die Sinnhaftigkeit des Smart City-Ansatzes verdeutlicht”. Natürlich wird dabei alles als supernützlich dargestellt und auch in versteherischer linker Tradition immer zur sanften Vorsicht gemahnt, dass angeblich das Wohl des Einzelnen und die Privatsphäre dabei eine große Rolle spielen würden. Alles nur zu deinem Wohle.

Der Mensch, die Maschine

Für einen effizienteren Staat wird bereits an einem E-Gouvernment-Gesetz gearbeitet, wobei Geschäftsprozesse einfacher werden sollen, E-Verwaltung, der E-Pass und die umfassende E-Akte sind Teil dessen. Als absolute Grundlage der Smart City wird auch ein immer überall verfügbares öffentliches WLAN genannt, die BVG zum Beispiel bietet dies mittlerweile in ihren Bussen an. Diese sollen sich dann auch in einer „systemübergreifenden Verkehrssteuerung” bewegen, was bedeutet, dass möglichst viele Fahrzeuge im Verkehr kommunizierend oder autonom fahren. Auch eine „Innovationsförderung” ist Teil des E-Gouvernments. So sollen „Risikokapitalfonds aus Mitteln des Landes und des Europäischen Fonds finanziert werden, um kleine und mittelständische Unternehmen der Technologie- und Kreativwirtschaft zu fördern.” Berlin will Vorreiterin in der wahnhaften Technologisierung unserer Leben werden.

Dazu werden unter anderem E-Health-Lösungen angestrebt, beispielsweise eine Vernetzung aller betreffenden Akteure. Was das konkret heißt, bleibt wieder mal im strategischen Dunkel. Die Health-Watch die mit deinem Smartphone kommuniziert, welches Fitnesskurven in der Cloud erstellt, mit der Termine im Fitness-Center gemacht werden und die deiner Ärztin ein Gesundheitsbild in Echtzeit liefert, das wiederum der Gesundheitsbehörde die statistische Vermessung und Kategorisierung des Lebens ermöglicht und bei der Krankenkasse deinen Beitrag berechnet? Alles schon in der Entwicklung, die Umsetzung beginnt jetzt.

Genau wie bei Smart Homes, welche einen „Anwendungsschwerpunkt” darstellen und „an deren möglichst schneller Verbreitung auch ein öffentliches Interesse besteht”. Neben der totalen Vernetzung aller Geräte und Körper gehört z.B. auch eine „Kiez-App”, mit der sich Nachbar*innen austauschen sollen. Auf welche Art und Weise und was dort erlaubt ist und was nicht, bestimmt der staatliche Algorithmus (digitales Grundgerüst/die Programme, die den Zweck und die Möglichkeiten einer digitalen Anwendung bestimmen). Einmal abgesehen davon, dass dadurch noch mehr Leben ins kontrollierbare, flatterhafte Virtuelle verbannt wird.

Auch im Zuhause beginnt die smarte Energie. „Die Energieversorgung der Zukunft benötigt ein intelligentes Netz, das die Energiekonsumenten und -produzenten mithilfe digitaler Informationstechnologie verbindet und kontinuierlich Informationen über Energienutzerverhalten und Energiebereitstellung auswertet”. Dadurch wird beispielsweise auch nachvollziehbar, wann sich wie viele Menschen bei dir zu hause aufhalten.

Um diese unsolidarische Gesellschaft, die Privilegien mancher zu schützen und um die uns eingeimpfte vermeintliche Sicherheit zu wahren, soll eine „qualitativ neue smarte Sicherheitskultur” eingeführt werden. Dazu gehören z.B. die Nutzung von Satelliten, aber auch Firewalls und kontrollierte Teilabschaltungen ganzer Netzwerke. Wenn wir uns also auf digitale Kommunikation verlassen, werden wir andere Kommunikationsstrukturen und somit auch unsere Selbstbestimmung verlieren. Die Strateg*innen der Herrschaft betonen, wie wichtig eine verfügbare Dateninfrastruktur auch in Krisenzeiten ist, was auch immer der Staat als Krise definiert. Die Vernetzung wird totalitär und immer überall, aber dafür auch immer überall angreifbar: „Zunehmende Vernetzung auch sensibler Bereiche erhöht die Verwundbarkeit gerade kritischer Prozesse und Strukturen […] Bereits mehrstündige Stromausfälle können die Funktion bestehender Systeme grundsätzlich infrage stellen.”

Die smarter Herrschaft

Mehrere Akteure arbeiten an der Entwicklung und Umsetzung dieser Ideologie des Fortschritts. Die Berlin Partner für Wirtschaft und Technologie GmbH dient als angeblich Motor und Schnittstelle zwischen Politik, Unternehmen, Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen und wirtschaftsrelevanten Akteuren. Das Netzwerk Smart City ist „Berlin Partner und repräsentiert einen Querschnitt führender Unternehmen, Forschungs- und wissenschaftlicher Einrichtungen, relevanter Netzwerke, Start-ups und Finanzierungseinrichtungen”.

„ [Der] Einsatz von innovativen Technologien soll ein Kriterium bei öffentlichen Vergabe- und Beschaffungsprozessen [werden]” der ist es schon. Das Projekt „Schaufenster für Elektromobilität” besitzt bereits ein Gesamtvolumen von bis zu 85 Millionen Euro. Infrastruktur allgemein soll massiv smart ausgebaut, Gebiete „erschlossen und optimiert” werden. Was diese Optimierung konkret bedeutet, bleibt unklar. Mit Sicherheit wird an der kommerziellen Erschließung und Ausweitung gearbeitet. Aufwertung und Verdrängung sind bekannte Folgen.

Dabei entscheidend ist die sogenannte Industrie 4.0, welche teilweise auch schon getestet wird. Diese Ideen der Umwandlung von Industrie und Arbeit beinhaltet viele Facetten: Robotisierung, Flexibilisierung, Spezialisierung und so weiter. Also mehr Arbeitslose, mehr Entfremdung und Fremdbestimmung, mehr Abhängigkeiten, mehr Unterwerfung unter den Verwertungsdruck. Die hippen Industrien 4.0 sind bereits Teil dieser Stadt: In Adlershof, dem Clean Tech Park in Marzahn-Hellersdorf und auf dem EUREF-Campus in Schöneberg; die Urban Tech Republic wird in Tegel zur Nachnutzung des Flughafens entstehen.

Berlin wirbt gezielt Vorreiter der zukünftigen technologischen Ausbeutung an. So findet die größte Smart City-Kongressmesse der Welt, die Metropolitan Solutions, seit 2015 jährlich in Berlin statt. An der Ideologie der smarter Herrschaft arbeiten außerdem die CKI-Konferenz, die Berliner Wirtschaftskonferenz, der Smart City Summit, die Asien-Pazifik-Wochen und der Stadtarchitekturkongress. Hier wird an unserer Zukunft gefeilt – ein massiver Angriff, bisher scheinbar ungestört vorbereitet. Allen voran Firmen wie Deutsche Telekom, Bertelsmann, Springer, Microsoft, Google und Siemens, die dabei in Berlin „bedeutsame Impulse” setzen.

Smarter desaster

Welche Folgen könnte die Umsetzung der beschriebenen smarten Ideen haben?

Probleme für Probleme

In einigen Bereichen wird durch effizientere Technologie eine bessere ökologische Ausnutzung und ein geringerer Ressourcenverbrauch erreicht. Gleichzeitig benötigt die Smarterisierung jedoch eine Menge neuer Geräte, Sensoren und Computer, welche im Bau einen Haufen Energie und Rohstoffe verbrauchen. Die Entsorgung superschnell veralteter Geräte vergiften die Umwelt. Viele der benötigten Materialien werden zu beschissensten Arbeitsbedingungen aus Ländern des globalen Südens vor allem für unseren Luxus hier ausgebeutet, eine Forstsetzung der kolonialistischen Tradition westlicher Länder, nur mit anderen Mitteln.

Gedanken darüber, ein Leben mit weniger Dingen, Technik und Mobilität zu führen, um die eigentliche Ursache ökologischer Probleme anzugehen, liegt jedoch nicht im Interesse des Kapitals, da im Kapitalismus immer mehr produziert werden muss, immer mehr Gewinn erwirtschaftet werden muss, damit er funktioniert. So haben die Verfechter*innen des Bestehenden kein Interesse daran, Ursachen für Not und Zerstörung zu bekämpfen, sondern es wird versucht die Maschinerie immer weiter zu treiben, Mittel für angebliche Lösungen zu finden, für Probleme, die diese selbst erzeugt haben.

Die soziale Zerstörung

Dazu gehören auch soziale Verhältnisse. Wie man an Orten, wie beispielsweise dem Silicon Valley in den USA, sehen kann, klaffen hier die Eigentumsverhältnisse noch weiter auseinander als bisher. Gemeint sind Orte, die die aktuellen Entwicklungen vorwegnehmen und im System zukunftsweisend sind, wo die Tech-Elite ihre technologischen Tempel aufbaut, die Industrie 4.0 sich verbreitet und smartes Leben bereits Alltag wird. Hier verarmt ein großer Teil des Mittelstands, die soziale Ungleichheit steigt. Eine harte Gentrifizierung folgt, also eine Verdrängung angestammter Bewohner*innen, weil sie die Miete nicht mehr bezahlen können, weil Eigentümer*innen viel besitzen und damit ihren Profit weiter erhöhen wollen. Es entsteht eine neue Elite, machtvoller als viele Staaten, angehäuft mit einem nie dagewesenen Berg an Informationen und Mitteln. Gleichzeitig gibt es immer mehr verarmte Menschen, oft Migrant*innen, die die im Kapitalismus als „niederen” Dienste gesehenen und zumindest schlecht bezahlten Jobs wie Putzen oder Kinderbetreuung übernehmen. Doch auch daran wird gearbeitet: in 20 Jahren sollen Roboter einen großen Teil dieser Arbeiten erledigen.

Diese weitere Polarisierung bewertet und entwertet Menschen, betreibt soziale Zerstörung und Vertreibung. Und nicht nur in der eigenen Stadt – die Ausbeutung ist global. Der Reichtum mancher Weniger fußt auch auf der Ausnutzung von Ressourcen und Menschen, vor allem aus südlichen und östlichen Ländern. Von der Hose bis zum Chip, die Ressourcen und die Arbeitskraft kommen aus dem Trikont, die Ware bekommen wir.

Meins meins meins

Auch in den Städten hier trennen sich immer mehr Arm und Reich. Die neuen Reichen, jung und smart, drängen in die Städte, es entstehen Innovationsdistrikte mit Vierteln von Tech-Spitzenverdiener*innen. Hier pulsiert das Leben, ist Kultur, Party und Lifestyle, der altbekannte Speckgürtel ist jetzt zusätzlich die Innenstadt, der Pöbel wird immer weiter nach außen gedrängt. Wer Eigentum hat, wird damit noch reicher, wer wenig oder nichts hat, kriegt noch was abgenommen und ist am Arsch. Da nicht die Menschen die drin wohnen die Häuser besitzen, sie stattdessen das Eigentum von Wenigen sind, können Markt und Eigentümer*innen das soziale Leben ärmerer Leute zerstören, weil diese z.B. wegen Mieterhöhung oder Umwandlung in Eigenbedarf wegziehen müssen.

Solange es Eigentum an sich gibt, ist die Grundlage für Ausbeutung geschaffen und manche Arschlöcher werden das Ausnutzen. Vermutlich sogar die meisten, sofern sie die Möglichkeit dazu hätten. Es ist also sinnlos für niedrigere Mieten oder gegen Umwandlung in Eigentumswohnungen zu kämpfen, diese Auseinandersetzungen können höchstens Aufhänger für eine Vertiefung der Konflikte und der grundlegenden Fragen für ein ganz anderes Leben dienen.

Die Beziehung des Wettbewerbs

Die Städte untereinander wiederum stehen im harten Wettbewerb, genauso wie Staaten, Firmen und angeblich auch du und ich. Die Stadtregierungen werden harten Druck bekommen und ausüben, an der Smarterisierung teil zu haben, da dies die einzige Chance ist, dauerhaft wirtschaftlich am Weltmarkt zu bestehen. Im Gegensatz zu einem Konzern, der im Verwertungsdruck gefangen ist, oder der Politik, die immer quantifiziert, für andere entscheidet und am Machterhalt mit dessen zwangsläufigen Mitteln geknüpft ist, können du und ich etwas anders machen. Beziehungen führen die nicht auf Wettbewerb, Tausch oder Gewinn aus sind, Verbindungen die der Verwertung durch Solidarität, kollektiven Strukturen und Praxis des Widerstands etwas entgegensetzen.

Überflüssige Roboter

Dafür könnten sich Gefährt*innen, vor allem unter den Überflüssigen, finden. Denn im kapitalistischen Sinne Überflüssige wird es immer mehr geben, Menschen ohne Arbeit, nicht mehr wirklich nützlich für die Marktwirtschaft, oder Billiglohnarbeitende, die dann auch teilweise noch durch Automatisierung und Robotisierung ersetzt werden. Die massive Datensammlung des smart live ermöglicht die Robotisierung der Gesellschaft, da Roboter viele Daten brauchen, um möglichst selbstständig agieren zu können und dann auch gleichzeitig ein Menge Daten aufnehmen und weitergeben.

Die möglichen Folgen der fortschreitenden Automatisierung können wir nur erahnen. Die Menschen werden eine Menge Skillz verlieren, viele Fähigkeiten werden wir verlernen. Das ist nichts neues, wer weiß noch wie man sich selbst versorgt oder wenigstens das Auto selbst repariert? Hier wird schnell klar, neue Autos sind Computer, selbst reparieren ist kaum noch möglich, Eigenständigkeit ist nicht erwünscht, geschweige denn ein Ziel. Technologisierung und Automatisierung erschaffen enorme Abhängigkeiten, und zwar von Techniker*innen, Konzernen und Strukturen, deren Interesse es ist, uns immer abhängiger zu machen, um verwertbar zu bleiben. Das wertvollste Produkt wird die Dienstleistung werden, da alles spezialisierter wird. Im Plan der Strategen der Abhängigkeit und Verwertung ist die Zukunft der Autonomie nicht die des Menschen, sondern die der selbstfahrenden Autos, der autonom putzenden Roboter, der von Algorithmen gefilterten virtuellen Beziehung und der intelligenten Maschine die im Altersheim Karten spielt und in der Schule vorliest.

Wenn wir Selbstbestimmung erlangen wollen, müssen wir uns die Fähigkeiten erhalten und erlernen, die nicht nur das Bestehende zerlegen, sondern uns auch befähigen, anders als den uns vorgegebenen Weg zu gehen. Fähigkeiten und Angewohnheiten, die direkte Kommunikation ermöglichen und Grundbedürfnisse auf möglichst direkte und sozial wertvolle Art befriedigen können.

Die Kontrolle der Dinge

Dem entgegen arbeitet die Ausweitung des Internets der Dinge. Alles und jede*r soll mit Sensoren versehen werden oder gar eine eigene Rechnereinheit bilden. Dafür werden beispielsweise RFID-Chips an allen möglichen Produkten sorgen, die dann selbstständig mit der vernetzten Umwelt kommunizieren wann wo was wie gerade ist und sich verändert. Oder auch Mini-Rechner in Haushaltsgeräten, die ständig alles Mitschneiden und gegebenenfalls selbst „Entscheidungen” treffen sollen. Ebenfalls wird an der Verbindung Mensch-Maschine gearbeitet, die fast angewachsene Prothese Smartphone ist erst der Anfang. Implantate und rückkoppelnde Hilfsmittel wie google glass oder auch bildschirmartige Kontaktlinsen können Teil des Internets der Dinge sein.

Sensoren überall beobachten und überwachen Dinge und Menschen, von denen Interaktionsmuster, also z.B. Benutzerprofile oder Bewegungsmuster erzeugt werden. Die Daten können von Firmen und Staaten nach bedarf benutzt werden, zur Vermarktung auch des letzten Teil des Lebens oder auch zur Kontrolle und der Erfassung „abweichender” Verhalten. Diese penetrante Art der dauerhaften Datenerhebung von allem was Ist, dieses Netz in dem wir immer mehr in einem offenen allgegenwärtigen smarteren Gefängnis leben, soll alles messbar und bewertbar machen. Das ist das neue Gold, der neue Absatzmarkt, die Ausbeutung des Lebens und der Beziehungen selbst, die absolute Abhängigkeit von Mutter Konzern.

Die Sicherheit der Ausbeutung

Dahingehend werden die Voraussetzungen für kybernetische Kontrollapparate geschaffen. Die Erde, ein Lebewesen, das Leben selbst ist nach dieser Idee berechenbar, angeblich nur eine Maschine. Wenn möglichst viel verfolgbar und steuerbar ist, wächst die Möglichkeit der Kontrolle enorm an. Nicht für das betroffene Individuum, sondern für diejenigen die die Mittel, Ressourcen, Netzwerke und Informationen besitzen oder verwalten, oder den Handlungsrahmen, die bestimmenden Algorithmen vorgeben. Es wird immer schwieriger sich dem Netz der Kontrolle zu entziehen.

Die eingesetzten Mittel sind äußerst vielfältig, so werden beispielsweise immer ausführlichere DNA-Datenbanken angelegt und immer mehr DNA-Proben gesammelt und abgenommen. Auch DNA-Profile von Familienmitgliedern sind ersichtlich, kürzlich hatten Politiker*innen gefordert, das Erstellen von Phantombildern per DNA-Fund zu legalisieren – technisch kaum mehr ein Problem. Die Forschung beschäftigt sich außerdem eingehend mit der Nutzung von Drohnen, Spionagesoftware, Robotern, sogenannten „nicht-tödlichen” Waffen und anderem technologischen Spielzeug zur totalen Überwachung. Drohnen und Satelliten sollen Informationen z.B. bei der Strafverfolgung liefern, flächendeckende Kameras sollen einschüchtern und schon entwickelte Demoroboter können per unangenehmen Geräuschen, Überwachung oder Tränengas Versammlungen einschüchtern und auflösen. Die smarte Repression funktioniert unter anderem durch Abschreckung, da durch eine Aufrüstung die Zielgenauigkeit und Wirksamkeit der Gewaltmittel erhöht werden. Gleichzeitig werden Überwachungssysteme allgegenwärtig, normal und daher von vielen schon gar nicht mehr (als solche) wahrgenommen.

Eine Tendenz ist bei modernen Bullentaktiken schon jetzt ersichtlich: es gibt einen Übergang von reaktiven zu präventiven Polizeimethoden. Intensive Kontrolle, Präsenz und Datenerhebung kombiniert mit kleinen gezielten Zugriffen lassen einen psychologisch hilfloser und kontrollierter erscheinen als durch martialisch auftretende Bullen, die die Knüppel schwingen und somit ein klares hier und dort, klare Trennlinien aufzeigen. Heute ist alles lieb und Freund und Helfer, Gewalt gibt nur schlechte Bilder. Abschreckung kann viel subtiler, unterschwelliger passieren, ist somit sauberer, konfliktfreier und verhindert durch Vereinzelung und Isolierung offene Solidarisierungen. Weniger körperliche Gewalt und Internierung, stattdessen unablässige Kontrolle und unmittelbare Kommunikation, sind in der Unterdrückung clean und smart. Damit wird eine Ohnmacht, ein Gefühl des ausgeliefert sein, der Entfremdung und des allein sein erreicht.

Hilft dies nicht, so gibt es trotzdem weiterentwickelte technologische Werkzeuge und Waffen zur Aufstandsbekämpfung und weiterhin auch Knäste. Einmal mehr zeigt sich hier, dass Vereinzelung als Waffe der Politik genutzt wird und dass gegenseitige Hilfe und Solidarität den Interessen der Herrschenden entgegenstehen und Grundsteine des Widerstands gegen diese Verhältnisse sind.

Die totale Verwertbarkeit

Die Offensive der Herrschenden zur Regelung aller Lebensverhältnisse verbreitet und fördert ein totalitär technologisches Denken. Alles wird angeblich technisch lösbar, für jedes Problem ein Programm. Dabei verändert sich das Bild des Menschen selbst. Wenn du vor mir stehst, dann nehmen meine verschiedenen Sinne unterschiedliches von dir wahr: deinen Geruch, deinen Gang, deine Sprache, deine Ränder unter den Augen. All dies verknüpfe ich mit den Erfahrungen meines Lebens, ein Gefühl zu dir entsteht. In einer Welt der Maschinen wird das Individuum in einzelne Datenpunkte, in Informationen aufgelöst und nach vorbestimmten Algorithmen und Statistiken wieder zusammengesetzt. Du bist nicht du, sondern dein virtuelles Ich bei facebook, deine Google-Suche nach Krankheiten, dein Kaufverhalten im Supermarkt, deine Beziehungsmuster im Datingportal, deine Leistung im Fitnessstudio oder die Voraussage über die Wahrscheinlichkeit deiner Kriminalität. Wem du dein Gesicht zeigst, deine Vorlieben mitteilst, mit wem du über deine Krankheiten redest, ist dann nicht mehr deine Entscheidung sondern derjenigen die deine Informationen ausbeuten und verwalten. In der Kontrollierbarkeit von Menschen ein Quantensprung, bei dem Grenzen zwischen Stadt, Körper, Materialien, Geräten – Beziehungen, Personen und Handlungen verschwimmen, da alles Verwertbare zur Information wird.

Das System bestimmt dabei, welcher bestimmte Faktor dabei jeweils das Einzige von Bedeutung ist. Die Durchdringung dieser Offensive versucht in jede Trinkflasche, in jede Bewegung, in jede Beziehung vorzustoßen, denn nur so kann die Umgebung smart, also „intelligent” werden. Wenn es bald kein Bargeld mehr gibt und du immer mit Karte oder Smartphone zahlen musst, wenn sich die U-Bahn-Türen nur noch öffnen lassen, wenn du einen Bezahl-Chip implantiert unter der Haut hast, werden die Wahlmöglichkeiten, welche uns sowieso schon vorgegeben sind, immer geringer. Da diese Technologien dermaßen tief in das Leben eingreifen sollen, wird es immer schwieriger werden, bestimmte Dinge NICHT zu tun. Wir werden uns an einigen Punkten entscheiden müssen, wie heute auch schon. Nur werden der Ausschluss und der angebliche Verzicht massiv zunehmen. Zufriedenheit ergibt sich aber aus einer Kohärenz, daraus dass ich auch das Tue was ich für richtig halte und was meinen Ideen entspricht, nicht unbedingt aus dem einfacheren und bequemeren Weg.

Macht hoch 10

Ein tiefer gesellschaftlicher Umbruch steht bevor. Eingriffe in das Leben sind geplant, die wahrscheinlich tiefgreifendere Veränderungen wie die industrielle „Revolution” hervorrufen können. Manche smarte Entwicklungen, wie z.B. im Bereich der Nanotechnologie sind nicht mehr umkehrbar, da sie mit ungeahnten Folgen in unsere Umwelt ausgesetzt werden. Andere Angriffe werden das alltägliche Leben umkrempeln. Die Idee Smart City beinhaltet verschiedenste soziale Felder, Produkte, Kommunikationen, Regelungen, und so weiter.

Daher kann die Smart City nicht getrennt von Technologisierung und Herrschaft an sich gesehen werden. Die Ideen, Methoden und Mittel der Smart City sind Wegbereiter für Strategien lückenloser Kontrolle und Effizienz, das Ausmaß staatlicher Kontrollmöglichkeiten wird damit enorm gesteigert werden. Dies geht einher mit einer belästigenden Kultur der Selbstoptimierung, Selbstausbeutung, Selbstkontrolle und der Zustimmung.

Dieser Angriff in alle Dimensionen des sozialen Lebens bietet angeblich technologische Lösungen für alles. Die totalitäre Effizienz der technologischen Smartness will uns einverleiben, sortieren und klassifizieren. Sie lässt keine Gefühle, keine Ungewissheiten zu – nur Berechenbarkeit. Die sozialen Fragen der smarter Herrschaft beschränken sich auf Kontrollierbarkeit und Ausbeutbarkeit. Was eigentliche Probleme im miteinander sind, wie Ausbeutung und Herrschaft des Menschen über den Menschen entstehen und welchen sozialen Gehalt technologische Hilfsmittel haben, sind Fragen die an die Wurzel gehen, sie entwickeln sich im lebendigen reflektierenden Miteinander im Konflikt mit dem Herrschenden.

Wieviele Dinge brauchst du noch, um glücklich zu sein?

Wir kennen diese Systeme der Herrschaft, der Repräsentation, der Politik, der Repression, der Ausbeutung – das ist nichts neues. Jedoch gibt es neue Player mit neuen, ausgefeilteren Methoden. In diesem Projekt der Herrschenden zur Restrukturierung des Kapitalismus, das heißt die Veränderung, Verfeinerung und wohl auch Verschärfung ihrer Systeme, bietet ihnen nie dagewesene Möglichkeiten der Macht durch die Durchdringung aller Lebensbereiche. Das ist eine entscheidende Veränderung, die nicht skandalisiert, sondern mitsamt ihren Ursachen – den Strukturen und Handlungen der Herrschaft – zerstört werden muss, sofern jemand Ideen der Freiheit, der solidarischen Selbstbestimmung in sich trägt. Die meisten Menschen jedoch machen mit bei dem Konzept der freundlichen Zustimmung, verziert mit mal mehr oder weniger reformistischen Mahnungen und Forderungen an die Politik, z.B. zum Datenschutz. Verantwortungslosigkeit und Bequemlichkeit, der Anschein des Einfachen und Praktischen heißt am Ende jede Schweinerei willkommen. Mein Smartphone – ja stimmt schon, die ganze Überwachung und Ablenkung, aber praktisch ists schon und außerdem habe ich ja eh nix zu verbergen… Was mit all den Daten passiert bleibt oft im Dunkeln. Ich entscheide nicht mehr was mit meinen Informationen passiert und wenn es irgendwelchen Leuten und Strukturen gerade passt, dann werden sie sie verwenden. Und dann entscheiden sie wann und wofür, die Kriterien können sich jederzeit verändern, die Informationen sind da und bleiben bei denen, die es sich leisten können (Wer hätte im hippen Berlin der 1920er Jahre gedacht, dass ein paar Jahre später Faschismus herrscht?). Außerdem ist Technologie nicht neutral, sie erfüllt immer bestimmte Zwecke und hat oftmals nicht-beabsichtigte Eigendynamiken. Trotzdem: Alles scheint hilfreich, positiv, erleichternd, macht Spaß, gibt Lifestyle. Verkaufe mir meine Identität!

Hast du jetzt mehr tiefgehende Beziehungen, Menschen die auch bei dir sind wenn es schwierig wird? Was hast du in deiner Umgebung selbst erschaffen? Wie lange am Stück kannst du dich noch konzentrieren? Zu welchen grundsätzlichen Entscheidungen fühlst du dich in der Lage?

Bist du glücklicher?

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Es wird immer schwieriger die Tragweite der momentanen und zukünftigen Entwicklungen nachzuvollziehen, weil vieles kaum bewusst erlebbar ist. Die Mechanismen laufen subtil, unterschwellig ab, sind normal, gehören zu dir und sind gleichzeitig so komplex, dass die meisten sie nicht verstehen. Es ist nicht mehr der offensichtliche Sklaventreiber der die Peitsche schwingt, oder der Chef der dich ermahnt. Immer mehr sind es kleine Anstupser, Belohnungen, allgegenwärtige Kontrolle und Feedbacks deiner smarten Umgebung, die ein Netz, einen berechneten vorgegeben Rahmen vorgeben. Es ist wie mit der Zeit: wir leben immer effizienter, haben immer mehr Maschinen um uns Arbeit abzunehmen, und doch haben wir immer weniger Zeit und immer mehr Stress. Dieser Prozess ist schleichend, er vollzieht sich jeden Tag einen Stückchen weiter. Die Gewöhnung, die angebliche Normalität deiner Umgebung macht den Rest.

Die Smart City steckt bisher weitestgehend im Stadium der Planung und Ideen, Konzepte und Investitionsstrategien werden gerade erarbeitet. Einzelne Elemente von ihr breiten sich aber bereits im Alltag aus. Um weitere Angriffe auf die Selbstbestimmung durchzusetzen, wird momentan eine massive Meinungsbildung, oder eher gesagt Zurichtung und Köderung betrieben. Das geht einher mit einer Kultur der Angst, die von den Herrschenden und Meinungsmacher*innen geschürt wird. Angst vorm Terror, vorm Versagen, davor abgehängt zu werden, davor sein Kind alleine unbeobachtet zu lassen. Alles nützlich, um die hier beschriebenen Entwicklungen voranzutreiben. Dass mit am meisten Menschen, die hier nicht eines „natürlichen” Todes sterben, an den Folgen des Autofahrens draufgehen, spielt keine Rolle. Dem können wir nur entgegensetzen, sich nicht deren Kultur der Angst hinzugeben, sondern eigene Projekte zu entwickeln, die offensiv die eigenen Ideen ausdrücken und nach vorne bringen. Du bist ein handelndes Wesen und kannst selbst Entscheidungen treffen!

Jetzt geht es darum, eigentliche Interessen und Ziele der Konzerne und Staaten und deren Befürworter*innen aufzudecken und klar zu benennen. Dafür braucht es konkrete Projekte und Konflikte an denen Risse und Brüche auftauchen, an denen Widersprüche zu Tage treten. Das fängt im Alltag damit an, wenn ich Leute persönlich besuche oder nicht mehr mit ihnen rede wenn sie gleichzeitig auf einen Bildschirm schauen. Auch kann ich meinen digitalen Fußabdruck verkleinern und verschleiern oder mich bestimmten Entwicklungen verweigern und mein Umfeld damit konfrontieren. Wir können uns immer als lernende verstehen, Umgangsweisen der herrschaftsfreien solidarischen Beziehungen vertiefen, Verbündete suchen und auf vermeintliche Sicherheiten gegebenenfalls verzichten. Das Verzichten auf smarter Beziehungen üben und die Qualität des Persönlichen, des Gefühls, der eigenen Wahrnehmung, das Unberechenbare bewusst machen, erhalten und leben.

Auch Fähigkeiten und Strukturen, die Grundbedürfnisse befriedigen, wie zum Beispiel Gärtnern oder das Handwerk, sind elementar, wenn wir selbstbestimmt leben wollen. Die Technik an sich darf nicht auf den reinen Nutzen hin untersucht werden, sondern vor allem auch auf die soziale Qualität, auf das, was Technik mit uns macht und wie sie unsere Beziehungen beeinflusst. Ein Hammer braucht gewiss etwas spezielles Wissen und Maschinen um hergestellt zu werden, die endliche Entscheidung der Nutzung und die Folgen liegen aber bei mir wenn ich es so will. Bei einem Smartphone z.B. ist das anders, Materialien und Wissen sind hoch spezialisiert und müssen in höchster Abhängigkeit hergestellt werden, und verstehst du überhaupt was mit deinen Daten passiert, kannst du das steuern?

Da die Strukturen der Fremdbestimmung kleinteilig monströs und alltäglich machtvoll sind, braucht es mehr als persönliche Ablehnung und Alternative. Gerade dann, wenn es anscheinend keine klar erkennbare Herrschaft und Zentralen mehr gibt und wir alle teilhaben an der smarter Scheiße, gilt es doch Trennlinien auszumachen. Es gibt Strukturen, betrieben von Menschen, die weitaus mehr Verantwortung für diese Misere tragen und sie beschützen als andere, und diese sind angreifbar. Dabei geht es nicht darum, google oder eine*n Hauseigentümer*in zu vernichten, denn dann kommt ein anderes google, andere Ausbeuter*innen. Die Zerstörung der Systeme, Gedanken, Ideo

Thessaloniki, Griechenland: Erklärung des Libertatia nach dem faschistischen Angriff

Heute, am Sonntag, dem 21.1.2018, um circa 13.30, kurz bevor die nationalistische Demonstration für den Namen Mazedonien anfing, haben faschistische Gruppen, welche an dieser Demo teilnahmen, eine Serie von Angriffen auf verschiedene Besetzungen in Thessaloniki begonnen. Nachdem sie das freie, soziales Zentrum und Besetzung „Scholio“ angriffen, wo sie mit Erfolg zurückgeschlagen werden konnten, griffen sie unsere Besetzung an und verursachten Schäden am Zaun und an der Fassade. Diese Schäden wurden von Mitgliedern unserer Gruppe sofort wieder repariert. Unsere Gruppe entschied sich danach, an der anti-nationalistischen Versammlung am Kamara teilzunehmen. Nach etwa zwei Stunden wurde unsere Besetzung von einer Gruppe von 60–70 Faschisten erneut angegriffen. Dieses Mal mit Molotowcocktails und Bengalen, wodurch das ganze Haus in Brand gesteckt wurde. Zu diesem Zeitpunkt befand sich niemand im Gebäude, wegen der Versammlung am Kamara. Während der ganzen Attacke auf die Besetzung waren Zivilpolizisten und ein Bus der Spezialeinheit MAT vor der Besetzung parkiert. Sie schützten den Angriff und zeigten keine weitere Reaktion. Die Reaktionen der Nachbarschaft müssen erwähnt werden. Die Leute standen auf den Balkonen und schrieen die Faschisten an. Diese schimpften Beleidigungen zurück und warfen auch auf die Nachbarn Bengalen. Als die Faschisten danach erneut die Besetzung „Scholio“ angriffen, legte die Poliziei dieselbe Parteilichkeit an den Tag: die Angreifer wurden beschützt und die GenossInnen des „Scholio“ wurden in ihrem Gebäude eingeschlossen.

Wir sollten uns nicht täuschen: Ohne der Mazedonien-Demo wären diese Angriffe der Faschisten nicht möglich gewesen, denn diese Demo war ein Schutzraum für die faschistischen Angriffe. Die Angreifer gingen zu dieser Demo und kamen von ihr wieder zurück.

Alle rechtsextremen und Neonazi-Gruppen riefen zu dieser Demo auf, aber niemand kümmerte dieses Faktum. Ihnen wurde dadurch soziale Legitimität und öffentlicher Raum geboten, um sich auszudrücken und zu handeln. Wir sind uns ganz genau bewußt, dass diese Dinge unter anderen Umständen nicht möglich gewesen wären, und deswegen muss jeder und jede darüber nachdenken, wie er sich gegen Faschismus stellen kann. Diese Aktionen paramilitärischer Gruppen funktionieren als Unterstützung der staatlichen Repression gegen alle Menschen, die kämpfen, und für etwas Besseres einstehen. Denken wir alle darüber nach, wer von der Brandstiftung an einem Gebäude mit einer mehr als hundertjährigen Geschichte profitiert, welches für mehrere Jahrzehnte leergestanden ist. Ein Gebäude, das wir als Anarchisten, libertäre Kommunisten und Revolutionäre entschieden, zu besetzen und zu renovieren, einerseits um den Bedarf an Wohnraum von Proletariern, Immigranten und Leuten, die von Staat und Kapital angegriffen werden zu decken, anderereits um einen freien Raum radikaler politischer Auseinandersetzungen von Individuen zu schaffen und eine neue, libertäre Kultur zu fördern. Es muss deutlich festgestellt werden, dass es sich um eine kriminelle Aktion handelt, die auch ein weit tragischeres Ergebnis zur Folge gehabt haben könnte, das heißt Tote.

Diese Angriffe werden uns auf keinen Fall aufhalten. Wir werden den Faschisten keinen solchen Gefallen tun, sondern weiterhin mit stählernem Bewusstsein und Trotz für eine Gesellschaft von Gleichheit und Freiheit und unsere Ideale kämpfen! Gegen Staat, Kapital und Faschismus!
Kein Angriff kann uns terrorisieren!

FASCHISTISCHE ANGRIFFE WERDEN NICHT OHNE ANTWORT BLEIBEN!
ERRICHTEN WIR BARRIKADEN GEGEN DIE FASCHISTISCHE BEDROHUNG!
FÜR DIE ANARCHIE UND DEN LIBERTÄREN KOMMUNISMUS!

Demo: 22.1., 18.00 Uhr, vor der Besetzung Libertatia.

Libertatia/Gruppe für den libertären Kommunismus

Übersetzung am 21. Januar auf Barrikade.info publiziert / auf italienisch / auf portugiesisch

Hambacher Forst: Räumungen von Infrastruktur, neun Personen im Untersuchungshaft und ein Aktionstag für den Widerstand

 

Update:

Seit Freitag Nachmittag, dem 2. Februar 2018, sind fünf der Hambi 9 aus der Haft entlassen worden, so dass vier Personen immer noch (Stand 5. Februar) in der JVA Köln einsitzen.

eingegangen auf englisch am 25.1.2018

Neun Aktivist*innen befinden sich, nachdem sie, während einer Barrikaderäumung im besetzten Hambacher Forst in Gewahrsam genommen wurden, in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt, die Arbeit der Polizeibeamt*innen während der Barrikaderäumung am Montag, den 22. Januar behindert zu haben.

Als die Bullen am diesem Tag am frühen Morgen in den Wald kamen, trafen sie auf Aktivist*innen, die Blockade-Infrastruktur (u.a. zwei Tripods, drei Monopods, einen Skypod und einen drei Meter tiefen Tunnel) besetzt hielten.

Die Abholzung des Hambacher Forst wurde in dieser Saison, einem Gerichtsurteil entsprechend, früh gestoppt. Hierdurch sind die weiteren Rodungsarbeiten bis zum 1. Oktober 2018 ausgesetzt. Trotzdem ist die Räumungsgefahr der Besetzung allgegenwärtig.

Die “Hambi 9” würden sich sehr über Post freuen! Genaue Information, wie die Adresse und ihre Sprachen sind auf dem Blog vom  ABC Rheinland  zu finden.

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Jetzt erst recht!

Aufruf zum deutschlandweiten Aktionstag am 3. Februar 2018

für den Widerstand im Hambacher Forst

Am 03. Februar 2018 werden deutschlandweit in lautem und bunten Protest tausende Menschen klar machen: Unseren Widerstand könnt ihr nicht brechen! Egal in welcher Stadt du dich grade aufhältst, es ist Zeit in Aktion zu treten. Ob in Form von Mahnwachen, Demonstrationen oder der Blockade deiner lokalen RWE- Zentrale, sei kreativ.

Dafür wird nicht nur RWE Infrastruktur gestört, sondern auch gezeigt, wie intersektionär unserer Kampf ist. Deswegen werden sich die Aktionen auch gegen repressive Institutionen wie Knäste und Gerichte wenden, denn ohne sie, wäre es für klimaschädliche Unternehmen unmöglich, trotz unseres breiten Protestes weiter unser Klima zu zerstören.

Am 03.Februar zeigen wir, dass wir trotz und gerade wegen dieser Einschüchterungsversuche aktiv bleiben.

Unsere Solidarität gegen ihre Repression. Jetzt erst recht. System change not cliamte change. Free the Hambi nine!